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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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FRANZ VON MONTEPULCIANO UND DIE AMADEISTEN 863

Jetzt öffneten sich ihm die Tore weit, da er als Papst am6. Januar 1516 wiederkam, um am Feste der heiligen dreiKönige, das zugleich das Fest der Kirchweihe S. Marcos war, dasPontifikalamt zu halten. Bei dieser Gelegenheit zeichnete er auchden Betraum neben den Zellen Savonarolas mit seinem hohenBesuche und zehnjährigem Ablasse aus 81 . In denselben Tagentraf er die Vorbereitungen zur Heiligsprechung des seligen An-tonin, des ersten Oberen S. Marcos 82 . In tiefster Dankbarkeitlagen ihm die Brüder zu Füßen; von ihnen hatte er keine Schwie-rigkeiten mehr zu befürchten.

Allein, wenn er auch die Söhne des Propheten zum Schweigengebracht hatte, die Propheten verstummten nicht. An allen Eckenund Enden Italiens tauchten nach wie vor Einsiedler, Mönche,Nonnen, Landleute, Männer und Frauen auf, die die Christenheitmit ihren gellenden Weherufen erschreckten 83 . Es gab unter denMinoriten einen Verband von Predigern, die Amadeisten, so ge-nannt nach dem seligen Amadeus (1420—1482), Beichtvater Six-tus' IV., bei dem er in höchstem Ansehen stand, und Verfassereines später mit verschiedenen Zusätzen versehenen Buches derOffenbarungen, das von der Ankunft eines Engelspapstes und vonder Erneuerung der Kirche handelte, die von mancherlei un-nützem Wüste gereinigt werden solle 8 *. Diese Amadeisten durch-zogen die Halbinsel von einem Ende zum anderen und wirktenüberall im Sinne ihres seligen Stifters; zu ihnen zählte nament-lich der Franziskaner Franz von Montepulciano 85 , der im Advent1513 in Heiligkreuz predigte. Ein noch junger Mann, frommenWandels, verbreitete er mit seiner Androhung naher göttlicherStrafgerichte solches Entsetzen unter den Hörern, daß sie unterheißen Tränen in den Ruf ausbrachen: „Barmherzigkeit, Barm-herzigkeit 86 !" Zuletzt hielt er eine so schreckliche Predigt, daßdie Gläubigen wie von Sinnen waren 87 , und versprach zugleich,nach drei Tagen über den Ursprung seiner Prophetie Rechen-schaft zu geben, erlag jedoch, noch ehe er sein Vorhaben aus-führen konnte, einem Blutsturze, 31. Dezember 1513. Prophetenwie dieser Franz von Montepulciano flößten dem Heiligen Stuhleund namentlich dem neuen Beherrscher von Florenz, dem Kar-dinal und Erzbischof Julius Medici, einem Vetter Leos X., größteBesorgnis ein. Wer die Züchtigung und Erneuerung der Kircheverkündete, machte sich der Zugehörigkeit zu einer Richtung