PETER BERNHARDIN UND DIE GESALBTEN
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Florenz 21 , der mit etwa 20 Gesinnungsgenossen, meist Leuten nie-drigen Standes, geheime Versammlungen abhielt und einen erbau-lichen Wandel führte. So hatte sich eine kleine Gemeinde gebildet,deren Leiter er war, als ihr Prophet und Hoherpriester mit derSorge um ihre weltlichen und geistlichen Angelegenheiten be-traut. In den Predigten des Frate hatte er sich eine solche Ver-trautheit mit der Heiligen Schrift angeeignet, daß er sie fast ganzauswendig wußte und hierdurch wie mit seinen Vorträgen, die erdem Beispiele seines Meisters gemäß mit besonderer Vorliebe andie Kinder richtete 22 , allgemeines Staunen erregte. Ihr Hauptin-halt ging dahin, der Kirche stehe eine Erneuerung durch dasSchwert der Franzosen, Deutschen oder Türken bevor, und da esseit dem Tode des Frate keine Gerechten mehr gebe, so braucheman nicht mehr zu beichten, denn alle Priester und Mönche ge-hörten der großen Schar der vom Frate für immer gebrandmark-ten Lauen an. Überdies pflegte er seinen Anhängern die Schläfe zusalben, mit der Versicherung, das sei die Salbung des HeiligenGeistes, weshalb die ganze Gesellschaft, der auch der DomherrAmerigo de' Medici angehörte, „die Gesalbten" hieß. Sie trugeneine ärmliche Kleidung und fasteten dreimal in der Woche; derMesse wohnten sie nicht an, oblagen aber fleißig dem betrachten-den Gebete und sonstigen frommen Bräuchen und Übungen ausder Zeit und zu Ehren des Frate. Als Überrest der Frateschen denBehörden ein Dorn im Auge und ihres Lebens nicht sicher, flüch-teten sie zum Grafen Johann Franz Pico nach Mirandola, der ebendamals von seinem Bruder aufs härteste belagert wurde. Nach demFalle der Festung wurden sie von den Belagerern ergriffen undeingekerkert, erhielten dann aber freien Abzug, während PeterBernhardin zum Feuertode verurteilt wurde, den er standhaft er-duldete.
Selbst wehrlose Nonnen hatten ob ihrer Anhänglichkeit an denFrate schwer zu leiden. Die Schwestern vom dritten Orden desheiligen Franz im Folignokloster wurden, weil sie, wie sie sichschon bei seinen Lebzeiten prozessionsweise in seine Predigten be-geben hatten, von ihrer Verehrung zu ihm auch nach seinem Todenicht abließen, auf Betreiben der Franziskanerobservanten mitdem Kirchenbanne belegt und wären, der gewohnten Almosen be-raubt, verhungert, hätten sich nicht mitleidige Seelen ihrer er-barmt 23 . Viele Beichtväter verweigerten im Jubiläumsjahre 1500