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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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SAVONAROLA UND DIE RENAISSANCE

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tur an bleibendem Gewinn brachte. Dafür, daß sie dieVitanuova" des eigenen Volkes bildete, habe er keinen Sinn gehabtund nicht erkannt, daß das frische Leben der Jugend das höchsteGut einer Nation sei. Man werde der weltgeschichtlichen Be-deutung der Renaissance nicht gerecht, wenn man sich an dasPrivatleben der Päpste halte und die Skandalchroniken mit derGeschichte verwechsle. Wie die guten Porträtmaler, so müßtendie Historiker den besten Augenblick ihrer Persönlichkeiten her-ausheben, ihre beste und glücklichste Seite hervorkehren, unddas sei für das Papsttum das Mäzenatentum in der Kunst ge-wesen. Nietzsche allerdings fasse die Renaisance als Umwertungdes Christentums auf. Ihm zufolge hatte der Christ den Lebens-trieb verloren, indem er seinen Schwerpunkt ins Jenseits ver-legte; diesen Schwerpunkt ins Diesseits zurückverlegt zu haben,das sei das Hauptverdienst und das Wesen der Renaissance. Fürdie heidnisch-epikureische Richtung des Humanismus und derRenaissance treffe dies denn auch vollkommen zu; nur dürfe manes nicht auf die ganze Bewegung ausdehnen. Das eben sei nunaber der Fehler Savonarolas gewesen, demdas Eine, was not-tut" (Luk. 10, 42), in Wirklichkeit allein, das Schöne nur umdieses willen gegolten habe. Savonarola sei auch im Reiche desReligiösen zu sehr Demokrat, um neben und in ihm dem Schö-nen sein ganzes Recht angedeihen zu lassen; alles Fürstliche seiihm zuwider, alles beurteile er von seinem Standpunkt aus: Staatund Kunst, Leben und Jugend. Sein Christentum lasse uns denganzen Reiz und Reichtum des Geisterfrühlings der Renaissancenicht kennen und kosten.

Diese von nicht wenigen geteilte Auffassung bedarf in ver-schiedener Hinsicht der Berichtigung. Zunächst mag es dahin-gestellt bleiben, wem ein berufeneres Urteil über die Renaissancezusteht, einem Manne, der mitten in ihr lebte und wirkte, oderspätgeborenen Fremdlingen, die sich in die Zeit und ihre Stim-mung erst mühsam hineintasten müssen und in ihrer schwär-merischen Bewunderung für ihren blendenden Glanz nur zu leichtgeneigt sind, ihre Schattenseiten zu übersehen 191 . Savonarolasprach sich über das Wesen der Renaissance nicht aus; daß es inihr eine heidnisch-materialistische, christentumfeindliche Rich-tung gab, die gerade von den gefeiertsten Führern vertreten wurde,wird allgemein anerkannt 192 . Eben dieser immer unheim-

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