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STELLUNG ZUR KUNST UND DEN KÜNSTLERN
licher um sich greifenden neuheidnischen Strömung der Renais-sance stemmte er sich mit der ganzen Leidenschaft seiner Flam-menseele entgegen; keineswegs der Renaissanse selbst, noch derRenaissance, soweit sie noch christlich war. Sem Standpunktmochte einseitig, mochte fanatisch sein; es war der Standpunktdes entschlossenen, ehrlichen, überzeugungstreuen Christentums,der Standpunkt tiefster Religiosität — für ihn, den gottberufenenprophetischen Prediger, konnte es keinen anderen geben. Aufreligiös-christlichem Boden kann die „Vita Nuova" eines Volkes,sein „Geisterfrühling" oder gar das „frische Leben der Jugend"für sich allein entfernt noch nicht als „höchstes Gut" betrachtetwerden; unendlich höher stehen die unverrückbaren Grundpfei-ler sittlicher Ordnung. Die „weltgeschichtliche Bedeutung" derRenaissance in allen Ehren; aber den großen ethischen Maßstäben,die für alle Zeiten und Völker gelten, bleibt auch sie unterwor-fen. Und nun gar für eine Einrichtung wie das Papsttum eineAusnahmestellung verlangen und das Privatleben seiner Trägerdem sittlichen Urteil entrücken wollen, das ist ein Ansinnen,kaum bei einem türkischen Sultan, geschweige bei dem Ober-haupt einer Religionsgesellschaft zulässig, das den Anspruch er-hebt, Stellvertreter Gottes auf Erden zu sein. Um das Mäze-natentum in der Kunst ist es gewiß etwas sehr Schönes. Die Auf-gabe des Papsttums ist aber, man kann es nicht nachdrücklichgenug betonen 103 , eine ganz wesentlich andere, und man kannsie nicht gründlicher verkennen, als wenn man sie in die Pflegevon Dingen verlegt, die am allerwenigsten dem Nachfolger dessenzunächst am Herzen liegen dürfen, der seinen Jüngern als heiligsteAngelegenheit die Sorge um das Reich Gottes und um das Heil derSeele empfahl. Der Frate war daher vollkommen im Rechte,wenn er mit dem ganzen Mittelalter wie noch mit seiner Zeit, dieein eigenes Recht und ein eigenes Reich des Schönen noch nichterkannte, sondern dieses in den Dienst des Guten stellte, das „Eine,das nottut", im Auge behielt und nur um des Guten willen ge-pflegt wissen wollte. Wenn er nun auch gewiß nicht das war,was man einen Renaissancemenschen nennt, so hatte er für dieRenaissance und ihre Bestrebungen doch nicht nur Fluch undVerdammung. Auch er war ein Kind seiner Zeit und durch starkeBande mit ihr verbunden. Dies offenbarte sich nicht nur in seinerwarmen Liebe zur Kunst, sondern namentlich auch in seinem