RAFFAEL IM BANNE SAVONAROLAS
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seine Figuren nackt zu entwerfen und erst bei der Ausführung zubekleiden pflegte, um den Faltenwurf besser zu treffen 69 . Abernicht bloß durch seine eigenen Werke erwarb er sich unvergäng-lichen Ruhm. Er wirkte in hervorragender Weise an der Aus-bildung des Mannes mit, der zu den strahlendsten Leuchten amHimmel der Kunst zählt, Raffael von Urbino. Während seinesAufenthaltes zu Florenz (1504—1508) schloß sich dieser eng anB artolom eo an und fand sich gerne in seiner Klosterwerkstätte ein;und eben durch ihn, der des Geistes des Frate voll zum Zerspringenwar, ward der außerordentlich weiche und empfängliche Sinn desUrbinaten in einer für sein ganzes Schaffen entscheidenden Weisemit den Kunstidealen des Propheten erfüllt, dessen Schatten er imKloster auf Schritt und Tritt begegnete. Als wenigstens mittelbarerKunstjünger Savonarolas bewährte er sich auf dem Gebiete, worinsich sein Genius weit über alle anderen Künstler hinaus zu denerhabensten Höhen erschwang, als Madonnenmaler. Zwar liebtman es, seine Bedeutung im Gegenteil eben darin zu finden, daßer, durch den „das Madonnenideal Fleisch geworden sei", „dieMadonna vom kirchlichen Boden abgelöst und aus dem besonde-ren Glaubenskreise zu allgemein menschlicher Bedeutung empor-gehoben 70 habe". Und gewiß ist allerdings, daß er in seinemhalben Hundert Madonnenbilder die menschlich-mütterliche Seitevor der streng dogmatisch-religiösen bevorzugte und in entzücken-der Weise verherrlichte. Erwägt man aber, daß seine Madonnenzum größten Teil keine zur öffentlichen Erbauung der Gläubigenbestimmten und daher mit dem streng liturgisch-kirchlichen Maß-stabe zu richtenden Altargemälde, sondern bloße Familienbildersein wollten, die lediglich der häuslichen Weihe dienten und denstrengen Gesetzen jener nicht unterlagen 71 , so verliert das so be-liebte Gerede von der Vermenschlichung der Madonna durchRaffael sehr erheblich an Boden. War er doch darauf bedacht,selbst die Bilder, in welchen er die rein menschlichen Beziehungenzwischen Mutter und Kind in den Vordergrund stellte, in eine über-irdische Atmosphäre, in einen himmlischen Duft, in eine Ewig-keitsstimmung zu tauchen, welche die Familie von Nazareth aufden ersten Blick als die heilige Familie kennzeichneten, das lieb-liche Vorbild eines jeden christlichen Hauses; selbst die „welt-lichsten" Madonnen Raffaels sind durch und durch religiös 72 .Aufs strengste vermeidet er in allen seinen Madonnenbildern alles
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