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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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STELLUNG ZUR KUNST UND DEN KÜNSTLERN

natürliche und nicht an die gemalte halten, denn die Kunst mag sovollkommen wie möglich sein, so vermag sie die Natur doch nichtin allen Stücken zu erreichen. Es liegt ein gewisses Leben, ein ge-wisses Etwas in den natürlichen Dingen, was die Kunst nicht aus-zudrücken vermag." So sehr die Kunst aber auch der Natur nach-eifert, so will sie dies doch nicht merken, den Eindruck des Künst-lichen nicht aufkommen lassen; vielmehr ist ein Kunstwerk stetsdesto vollendeter, je weniger es den Eindruck des Gekünstelten, jemehr es vielmehr den des Einfachen und Naturwahren erweckt 15 .Von einer Verdammung naturalistischer Kunstwerke ist derFrate somit weit entfernt. Er denkt nicht daran, dem Künstler dieBenutzung eines Modells, auch eines menschlichen Modells, zu ver-bieten; nicht einmal das nackte Modell untersagt er ihm ausdrück-lich. Sein großer Lehrer Thomas von Aquin hatte das Nacktenicht schlechthin verdammt und gelehrt, wenn die Menschen nochim Stande paradiesischer Unschuld lebten, so bedürften sie, weilsinnlicher Begierde noch nicht unterworfen, keiner Kleidung 16 .Nicht anders dachte der Obere von S. Marco. Der menschlicheLeib war ihm als Gottes Gebilde ein vollendetes Kunstwerk, das anWürde jedes andere körperliche Wesen überragt, und nichts, sagteer 17 , entzückt das Herz mehr als ein edles menschliches Antlitz.,,Wie man sagt, betrachtete sich Sokrates die Schönheit der Jüng-linge, um in der leiblichen Schönheit die der Seele zu schauen.Ich möchte dir nicht raten, es ebenso zu machen, oder eine schöneFrau anzusehen, um die Schönheit Gottes zu bewundern, denn dashieße Gott versuchen 18 ." Eine ausdrückliche Erlaubnis nackterModelle konnte man freilich von einem Manne wie Savonarola an-gesichts der herrschenden geschlechtlichen Ungebundenheit undnamentlich des so weit verbreiteten unnatürlichen Lasters umso weniger erwarten, als ja in seinen Augen nur der Leib einesheiligen, nicht aber der eines gewöhnlichen Menschen der Spie-gel vollendeter Schönheit war; eben darum betonte er die idealeSchönheit so sehr, um vor Überschätzung der rein sinnlichenzu warnen. Wenn die Künstler nun schon bei Darstellung ge-wöhnlicher Gegenstände höher als die leibliche stets die seelischeSchönheit achten sollen, so müssen sie die größte Vorsicht erst rechtdann walten lassen, wenn sie religiöse Kunstwerke für Kirchenschaffen.Die Bilder der Kirchen", erklärte er 10 ,sind dieBücher der Kinder und Frauen. Darum sollte man noch mehr

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