DIE WAHRE SCHÖNHEIT
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schuld und Reinheit der Seele wurzelt, und das hat seinenürund darin, daß die reine Seele an der Güte und SchönheitGottes teilnimmt, einer Schönheit, die weit über alle anderenerhaben ist. Wenn nun eine Seele auf solche Weise schön ist,so tritt ihre Schönheit auch äußerlich hervor, denn die Seelenimmt mit der Gnade an Schönheit zu und breitet diese überden Körper aus. Wir lesen von der seligsten Jungfrau, daßum ihrer großen Schönheit willen die Leute, die sie sahen, ganzaußer sich vor Verwunderung waren, und doch um der aus ihrleuchtenden außerordentlichen Heiligkeit willen nie jemandeinen üblen Gedanken hegte, sondern jeder voller Verehrung fürsie war; und so lehrt die Erfahrung, daß eine ehrbare und reineFrau stets bei jedermann in Ehren steht. Wenn nun schon dierein natürlichen Tugenden, wie Klugheit, Gerechtigkeit, Starkmutund Mäßigung, der Seele solchen Schmuck verleihen, um wie vielmehr werden dann erst die übernatürlichen Tugenden, derGlaube, die Hoffnung und die Liebe, die Seele verschönern!"..Frauen," so sprach sich der Frate ein andermal 10 aus, „ihrmöchtet gerne schön sein; die Frauen kennen ja nichts Angelegent-licheres, als schön zu sein. Sagt mir aber doch nun: worin be-steht denn die Schönheit? In den Farben? Nein. Im Aussehen?Nein. Sondern die Schönheit ist eine Form, die aus dem rechtenVerhältnisse und Ebenmaße aller Glieder und Farben entspringt,und daraus hinwiederum entsteht eine Eigenschaft, die von denPhilosophen Schönheit genannt wird. Dies gilt jedoch nur vonden zusammengesetzten Dingen; bei den einfachen besteht dieSchönheit im Lichte. Schauet die Sonne an: ihre Schönheit be-ruht im Besitze des Lichtes. Schauet die seligen Geistei an: ihreSchönheit beruht im Lichte. Schauet Gott an: weil er ganz Lichtist, ist er die Schönheit selbst. Die Geschöpfe sind desto schöner,je mehr sie an der Schönheit Gottes teilhaben und je näher süeihr kommen. Und auch der Körper ist desto schöner, je schönerdie Seele ist." „Die Philosophen", bemerkte der Frate 11 , „lehren,die Schönheit sei, je unabhängiger vom Leibe, desto größer, weilder Schönheit Gottes ähnlicher, die über alles Stoffliche erhabenist. Sie lehren ferner, die beste Art der Betrachtung der göttlichenSchönheit bestehe darin, die Schönheit der körperlichen Dingemöglichst ins Geistige zu übertragen. Male dir z. B. die Schön-heit von Florenz im Geiste aus, sie wird die stoffliche übertreffen,