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STELLUNG ZUR KUNST UND DEN KÜNSTLERN
Malerei in den engsten Schranken hielt 3 , wenn er die unter derHerrschaft des humanistischen Geistes verheidnischte und ver-weichlichte Kunst zu erheben und zu verchristlichen strebte 4 .Wie Plato faßte er die Kunst als eine Nachahmung der Natur 5 ,ohne sich aber gleich ihm zur Verdammung der Kunst und ihrerAusschließung aus dem vollkommenen Staat fortreißen zu las-sen 6 . Wie Plotin suchte er die Schönheit nicht im Stoffe nochim Ebenmaße aller Glieder untereinander, sondern in derForm, in der Teilnahme am Göttlichen, im Durchleuchten derIdee durch die Hülle der Leiblichkeit 7 . Wie Aristoteles undThomas 8 brachte er das Schöne in engsten Zusammenhang mitdem Guten. Keine volle Schönheit ohne lugend, keine wahreKunst ohne Sittlichkeit, das war der Grundsatz, von dem er sichwie bei seinen gelegentlichen lehrhaften Auseinandersetzungen,so in seinem tatsächlichen Verhalten leiten ließ. „Es gibt", er-klärte er seinen Zuhörern 9 , „eine körperliche und eine geistigeSchönheit. Die Philosophen lehren, man müsse vom Bekann-ten ausgehen, und da die körperliche Schönheit bekannter undsinnenfälliger ist, so wollen wir mit ihr beginnen. Die körper-liche Schönheit tritt am meisten im Gesichte der Personen her-vor; die Schönheit des männlichen oder weiblichen Gesichtesberuht aber nicht in jedem Teile für sich, sondern im ganzen,d. h. im rechten Verhältnisse aller Teile des Gesichtes zusammen-genommen, und selbst darin liegt die Schönheit des Gesichtesnoch nicht allein, sondern sie kommt auch von der Schönheitund Reinheit der Seele. Sobald also die Seele in guter Verfas-sung ist, so äußert sich dies zum Teil auch im Körper. Hataber die Seele den Leib verlassen, so wird dieser, so schön ersein mag, häßlich. Stelle dir zwei Frauen von gleicher Schön-heit vor, von welchen die eine fromm, sittsam und rein, dieandere aber eine Dirne ist, und du wirst in jener frommen einefast engelhafte Schönheit leuchten sehen, während jene andere,sei sie gleich noch so schön, gar keinen Vergleich mit ihr auszuhalten vermag. Die Schönheit beruht also zum guten Teile inder Reinheit der Seele. Stelle dir auch eine Frau vor, sie kannso schön wie nur möglich sein — wenn etwa ein Dämon übersie kommt, so wirst du sehen, daß sie dir ganz anders erscheintund viel mehr unheimlich als schön ist. So ist denn ersichtlich,daß die äußere Schönheit gar sehr in der inneren, in der Un-