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800 STELLUNG ZU HUMANISMUS UND WISSENSCHAFT
Schlüsse an die erprobtesten Lehrer. Nicht als ob er sich zumsklavischen Nachbeter seiner großen Gewährsmänner erniedrigte.Er ist der Schüler des Stagiriten und Aquinaten, nicht ihr Papagei,und viel zu scharfsinnig, als daß er sich mit einer gedankenlosenWiedergabe ihrer Lehren abfinden könnte. Er folgt ihnen, weiler die besseren Gründe auf ihrer Seite erkennt, trägt aber ihreGedanken in seiner eigenen geistvollen Weise vor und verbindeteine Menge feiner Bemerkungen mit ihnen. Zwar fehlt es nichtan Versuchen, einen selbständigen kühnen Denker aus ihm zumachen, der sich seinem Ordensgenossen Thomas Campanella andie Seite stellen lasse 211 . Doch gelang es nicht, auch nur eineneinzigen erheblichen Punkt anzuführen, in welchen er die her-kömmlichen philosophischen oder theologischen Geleise verlassenhätte, denn gerade da, wo er sich vermeintlich zu eigenem Flugerhob" 12 , bewegt er sich am getreuesten in den Bahnen seiner Leh-rer. Von den sozialpolitischen Anschauungen Campanellas trennteihn eine Welt 213 ; wo sich beide berühren 214 , stehen sie auf dem ge-meinsamen Boden thomistischer Ausbildung. Nirgends beruft sichder Frate auf eigene Entdeckungen, nirgends auf selbständige An-schauungen. Sein einziger Stolz ist seine Übereinstimmung mit demhl. Thomas und mit seiner Ordenslehre 21 ?. Mit beiden Füßen, mitHerz und Sinn stand er auf dem Boden des Mittelalters. Als echterSohn seiner Zeit teilte er auch ihren Aberglauben; er glaubte anHexen und boshafte Weiber, die mit ihrem bösen Blicke den klei-nen Kindern Schaden zufügen können 216 . Einen Abschnitt aus demHexenhammer meint man vor sich zu haben, wenn man in derAnsprache vor der Feuerprobe seine Erklärungen über den Teufelund die höllische Physik liest. Wie seine Zeit, forderte er für ge-wisse Verfehlungen grausame Körperstrafen, die Verbrennung derSodomiten, die Durchbohrung der Zunge der Lästerer. Bei allerGelehrsamkeit war er doch kein Gelehrter, am wenigsten Forscher.Seiner ganzen geistigen Bichtung nach war er der letzte, nach wis-senschaftlichen Lorbeeren zu geizen. Nur aus seelsorgerlichenGründen betrieb er die Studien; will man ihn gleicfnvohl einen Ge-lehrten nennen, so stand dieser durchaus im Dienste des Prophe-ten und Predigers. In seiner Predigt, nicht in seiner Wissenschaftliehen Leistung lag seine Bedeutung und Eigenart.
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