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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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SCHRIFTERKLÄRUNG

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menschlichem Fürwitze über die von den heiligen Lehrern ge-zogenen Schranken hinwegsetzten 203 . Zur Lösung etwaigerSchwierigkeiten und Widersprüche geben die Väter den Gläubigengewisse Regeln, gleichsam Schlüssel, an die Hand, wie sie Ticoniusnach seiner Bekehrung vom Donatismus aufstellte 204 und nachherder heilige Augustin verbesserte 205 . Diese Schlüssel sind zumVerständnisse der Heiligen Schrift sehr wichtig, obschon der eineSchlüssel, der das Buch mit den sieben Siegeln zu erschließenvermag, Christus selbst ist 208 . Bei Erklärung der Heiligen Schrifthält sich der Frate, wie er selbst bemerkt 207 , an die üblichen Aus-legungen, sei es an die Glossa ordinaria 208 , sei es an Nikolaus vonLyra 200 oder an Augustin, Hieronymus, Gregor den Großen undden heiligen Thomas; sie alle machten von der allegorischenSchriftauslegung den reichlichsten Gebrauch und bestärkten ihnhierdurch in seinem Verfahren, zumal da der heilige Thomas ihrevolle Berechtigung ausdrücklich anerkannt und verteidigthatte 210 . Daß und warum er bei seiner Auslegung viel lieber zuden alt- als zu den neutestamentlichen Büchern griff, sahen wirbereits. Der Vorwurf einer Vernachlässigung der letzteren zu-gunsten der ersteren läßt sich ihm gleichwohl aus dem Grundenicht machen, weil er einerseits in seinen Erklärungen über diePropheten immer wieder auf die Evangelien abschweift, ander-seits die alttestamentlichen Schriften überhaupt nur im Lichte derneutestamentlichen liest. Ihm sind die Propheten Evangelisten,begeisterte Herolde der Religiosität Jesu und der von ihm ver-kündeten großen Liebe, feurige Vorkämpfer aller religiösen Ver-innerlichung und Vertiefung, furchtlose Streiter gegen alle Ver-äußerlichung, Selbstgerechtigkeit und Werkheiligkeil. Eben ausdiesem Grund räumt er auch dem Völkerapostel in seinen Aus-führungen den breitesten Raum ein. Beständig führt er Aus-sprüche von ihm im Munde und namentlich in der Gnaden- undPrädestinationslehre hängt er begreiflicherweise an ihm. DenExegeten will der Frate jedoch ebensowenig wie den Philosophenoder Theologen zugerechnet sein. So gern und so häufig er sichauf philosophisch-scholastische Erörterungen und theologischeFragen einläßt, so ist es ihm doch nirgends um selbständigewissenschaftliche Untersuchungen und Entscheidungen zu tun,alle seine Schriften stehen im Dienste der Erbauung und religiösenBelehrung, des Seelenheils und der Frömmigkeit im strengen An-