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7 g8 STELLUNG ZU HUMANISMUS UND WISSENSCHAFT
es nicht wie der Mensch, der beim Schreiben nur an das denkt,was der Wortlaut besagt, sondern richtet es so ein, daß dieSchrift, indem sie das Geschehene kündet, auch das Künftige an-zeigt 196 . Nach dem Vorgange der heiligen Väter, besonders desheiligen Hieronymus, und des ganzen Mittelalters unterschied ereinen vierfachen Sinn der heiligen Bücher, den wörtlichen, alle-gorischen, moralischen und anagogischen; so bedeutete ihm„Jerusalem" im wörtlichen Sinne die Stadt in Palästina, im alle-gorischen die Kirche, im moralischen die gläubige Seele und imanagogischen das himmlische Vaterland 197 . Die Allegorie, dieDeutung einer Stelle auf die kirchliche Gegenwart, ist aber nurzulässig, wenn diese Stelle von einem geschichtlichen Ereignissehandelt, das eine Beziehung auf künftige Dinge in sich schließt,die schon von Anfang an in der Absicht des heiligen Urheberslag. Da nun diese Erfordernisse weder bei den Dichtern zu-treffen, die der geschichtlichen Wahrheit, noch bei den Ge-schichtschreibern, die der Beziehung auf die Zukunft ermangeln,so bildet dieser allegorische Sinn tatsächlich einen besonderenVorzug der Heiligen Schrift und zugleich einen Beweis ihres gött-lichen Ursprunges, denn nur Gott vermag einem geschichtlichenEreignisse die Beziehung auf eine erst vielleicht tausend Jahrespäter eintretende Begebenheit beizulegen 198 . Der wörtlich-ge-schichtliche Sinn muß denn auch die unverbrüchliche Grundlagealler Auslegung und aller Allegorese bleiben, die, wenn sie gutsein soll, 1. nicht gegen den Glauben, 2. nicht gegen die gutenSitten, 3. nicht gegen die natürliche Vernunft, 4. nicht gegen dieWahrscheinlichkeit verstoßen darf 199 . Die heiligen Schriftstellersprechen aber trotz ihrer Inspiration die ihrem Stande und ihrerBildung angemessene Sprache; sie reden durch den Mund einesWeibes weiblich, durch den Mund eines Kindes kindlich undknüpfen überall an die Vorstellungen der großen Menge an 200 .Doch fehlt es in den heiligen Büchern auch nicht an scheinbarenWidersprüchen und dunklen Stellen, in denen sich eingebildeteund gottlose Menschen, die sich die Bibel mit fleischlichen Augenwie den Cicero zu lesen erfrechen, verfangen 201 . Zu den schwierig-sten Büchern zählen Ezechiel, das Johannesevangelium und diepaulinischen Briefe 202 . Bei der Auslegung muß man sich infrommer Demut an die Grenzen der heiligen Väter halten. AlleKetzereien hatten darin ihren Grund, daß sich die Ketzer in
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