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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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RELIGIÖSE GERINGWERTIGKEIT DER WISSENSCHAFT 767

Nützlichkeit willen, da die natürlichen Dinge den Sinn zu dengöttlichen lenken. Fragt man nun aber nach dem Nutzen derWissenschaften, welche die Heiden erfanden, und ob sie der christ-lichen Religion unentbehrlich sind, so erwidere ich: keineswegs,da nach der Anordnung Christi wenige Sakramente und das Ge-setz der Liebe zum Heile genügen 15 . Brauchen aber nicht wenig-stens die christlichen Lehrer die natürlichen Fächer? Nicht ein-mal dies läßt sich behaupten, denn sonst hätte Christus sie selbstgelehrt oder doch den Auftrag gegeben, daß sie aus den Büchernder Philosophen zu erlernen seien. Darin vermag mich selbst dieBeobachtung nicht zu beirren, daß in der Heiligen Schrift viel Natur-wissenschaftliches vorkommt, denn das zum Verständnisse dieserDinge Erforderliche ließe sich in einem kurzen Handbuche von'der Art zusammenfassen, wie es der heilige Hieronymus über den ;Sinn und die Auslegung der hebräischen Wörter verfaßte 10 , eine;Schrift, die ihrem Zwecke so sehr entspricht, daß wir nun die'Kenntnis der hebräischen Sprache missen können, obschon siezum Zwecke einer Auseinandersetzung mit den Juden immerhinnoch nützlich sein mag. Auch zur Widerlegung der Ketzer istdie Beherrschung der weltlichen Wissenschaften nicht durchausnötig, denn auf dem Konzil von Nicäa wurde der gelehrtestePhilosoph nicht von einem der gelehrten Bischöfe, sondern voneinem einfältigen und ungebildeten Manne aus dem Volke be- *schämt 17 . Der Heilige Geist, der die Schriften eingab, bedarf derWaffen der Philosophen zu seiner Verteidigung wahrlich nicht,wie ja auch David im Kampfe mit Goliath die Waffen wegwarf.Sind nun auch die weltlichen Wissenschaften nicht schlechthin,d. h. nicht in dem Sinne notwendig, als könnte der Christ seinübernatürliches Endziel ohne sie überhaupt nicht erreichen, sosind sie doch wenigstens insofern ersprießlich, als er mit ihrerHilfe jenes Endziel leichter zu erlangen vermag. Wenn alsojemand die Theologie samt den weltlichen Wissenschaften inne-,hat und damit ein reines Gewissen bewahrt, so ist er als ein besse-lrer Theolog und Streiter Christi zu erachten als ein anderer, dernur mit Theologie gewappnet ist, obschon freilich die Theologieohne Philosophie, aber in reinem Herzen, den Vorzug vor einerTheologie mit Philosophie verdient, die mit Hochmut gepaart ist.]So groß aber auch der Nutzen ist, den die natürliche Wissenschaftder Religion zu erweisen vermag, so fügt sie ihr doch auch ebenso