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766 STELLUNG ZU HUMANISMUS UND WISSENSCHAFT
vollkommnung der Seele abzielen, den Vorzug vor den mechani-schen verdienen, die nur körperliche Güter vermitteln. Unter denmoralischen hat die Politik den Vorrang vor der Ökonomik unddiese vor der Ethik, denn ein Gut ist um so göttlicher, je mehr essich verteilt, die Politik aber bezweckt das Gemeinwohl des ganzenStaates, die Ökonomik dagegen nur das Wohl der Familie und dieEthik nur das des einzelnen Menschen. Den niedersten Rangnimmt die rationale Philosophie ein, da das wirkliche Sein demnur gedachten vorgeht. Immerhin eignet doch auch der Logik dieWürde einer wahren Wissenschaft, und da ihren Schlüssen ver-schiedener Gewißheitsgrad zukommt und das Wissen die Meinungund diese die Vermutung überragt, so kommt die Dialektik vorder Rhetorik und diese vor der Poetik. Höher ist die reale Philo-sophie einzuschätzen, die ihrerseits wieder in eine spekulative undin eine praktische zerfällt. Was nun die erstere angeht, so ge-währt zwar die Mathematik die größte Gewißheit, steht aber dochder Naturwissenschaft ebenso nach wie die Musik der Astrologieund überhaupt die Gegenstände des Gehörs denen des Gesichts.Unter den verschiedenen Fächern der Naturwissenschaft behaup-tet die Seelenlehre die oberste Stufe, alle aber übertrifft die Meta-physik, da sie hauptsächlich von Gott handelt, dem letzten End-ziele alles Geschaffenen. Die Theologie aber ist praktischer undspekulativer Art zugleich und nach der einen wie nach der anderenSeite allen anderen Wissenschaften überlegen, da sie einerseits vondem erhabensten Gegenstande handelt, nämlich von Gott, unseremEndziele, anderseits aber auf übernatürlicher Erkenntnis beruht,also eine Gewißheit bietet, wie sie sonst keine Wissenschaft zu ver-leihen vermag. Sie allein hat daher auf den Ruhm der WeisheitAnspruch, sie allein macht den Menschen vollkommen und bei-nahe selig. Sie wiegt Kronen und Bischofsstühle auf, alle Schätzeder Welt sind im Vergleiche mit ihr als Kot zu erachten.
Haben wir somit den Wissenschaften ihren Rang angewiesen,so ist nunmehr auch klar, welche von ihnen lediglich eine ober-flächliche und welche eine gründlichere Behandlung verdienen.Da die rationalen und die mathematischen Fächer ihrem Gegen-stande nach keinen größeren Wert haben, so sind sie nur neben-bei und um anderer Wissenschaften willen zu betreiben. Gründ-licher darf man sich mit der Natur- und Moralphilosophie be-fassen, einerseits um ihrer Wichtigkeit und anderseits um ihrer