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7 64 STELLUNG ZU HUMANISMUS UND WISSENSCHAFT
Gedichte „Über die Glückseligkeit der christlichen Religion und desMönchsstandes 9 " zur Verteidigung der Beschäftigung mit den klas-sischen Dichtern auf das Beispiel der heiligen Augustinus undHieronymus berufen, die in ihren Schriften von Aussprüchen heid-nischer Schriftsteller reichlichen Gebrauch machten. Sogar Pau-lus, der zweite Stifter unserer Religion, verschmähte es nicht, Stel-len aus griechischen Dichtern anzuführen, ja, Moses und Davidwaren selbst Dichter und Verfasser herrlicher, in einem bestimm-ten Versmaße abgefaßter Gesänge, wenn dies auch in der Über-setzung nicht mehr hervortritt. Wenn man nun auch die unzüch-tigen Schriften eines Martial, Catull u. a. allerdings nicht ohneschwere Gefahr lesen und jedenfalls nicht in die Hände der Jugendgeben kann, so steht doch immerhin fest, und auch Savonarolawird es wohl nicht bestreiten, daß die ehrbaren unter den altenSchriftstellern und die guten Dichter den Lesern durch das Gewichtihrer Aussprüche wie durch die Anmut und den feinen Klang ihrerSprache größten Genuß und Nutzen bereiten. Aus dem beiliegen-den, ihm gewidmeten Gedichte mag er sich überzeugen, daß sichdie Dichtkunst ganz gut auch zur Verherrlichung des Christentumsgebrauchen läßt. Der Frate kam dem Dichter zwar mit der Ver-sicherung entgegen, es sei seine Absicht niemals gewesen, die Dicht-kunst schlechthin zu verdammen; was er mißbillige, sei nur derMißbrauch, den manche mit ihr trieben. Ohne sich jedoch durchHugolins Widmung und Artigkeiten, noch auch durch sein nichteben allzu schwunghaftes und geistvolles Gedicht in seiner grund-sätzlichen Auffassung beirren zu lassen, gab er ihm aufs deut-lichste zu verstehen, daß er mit seiner nachsichtigen Beurteilungder klassischen Literatur, selbst wenn er sich hierbei auf das Bei-spiel der heiligen Väter berufe, keineswegs einverstanden sei. Zu-nächst unterzog er sich der Lösung einer der schwierigsten undwichtigsten Aufgaben der Philosophie, der Frage nach der wesent-lichen Einheit und Einteilung der Wissenschaften 10 . Alle Philo-sophie (Wissenschaft) zerfiel ihm 11 in eine rationale, zu der er dieLogik, Dialektik, Rhetorik und Poetik rechnete, und in eine reale,die sich ihrerseits wieder in eine spekulative und in eine praktischespaltete. Die spekulative umschloß ihm zunächst die naturwissen-schaftlichen Fächer, nämlich Physik, Mineralogie, Botanik, Zoo-logie, Medizin und Psychologie, sodann die Astrologie, Musik,Mathematik und Metaphysik; die praktische schied sich ihm in