OBSERVANTEN UND HUMANISMUS
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Beispiel des seligen Simon Fidati von Cascia, der sich in seinemgroßen Predigtwerke scharf gegen jede Verquickung der über-natürlichen Theologie der Heiligen Schrift mit den eitlen Fragenmenschlichen Fürwitzes verwahrte und den Geistlichen die Be-schäftigung mit der Philosophie und den freien Künsten widerriet 3 .Eine der Hauptsäulen der dominikanischen Observanz, JohannesDominici, hatte sich, wie wir sahen, in der strengsten Weise gegendie klassischen Studien erklärt, und einer der ersten und verehr-testen Oberen von S. Marco, Erzbischof Antonin, war seinem Bei-spiele gefolgt. Savonarola handelte somit lediglich im Sinne der Or-densregel sowie ihrer treuesten Jünger und Stützen, wenn er vonden humanistischen Studien nichts wissen wollte und von Gram-matikern, Dichtern, Schönrednern und Philosophen keine hoheMeinung hegte 4 . Er sah ein, daß sich Form und Inhalt nun ein-mal nicht voneinandertrennen lassen, und daß mit der humanisti-schen Richtung sich befreunden, ihr unterliegen heiße 5 . Er hieltdas Gepränge mit klassischen Redewendungen und fein gedrechsel-ten Phrasen für unvereinbar mit jener Einfalt des Herzens, die erfür den höchsten Schmuck eines Christen, geschweige eines Or-densmannes betrachtete. „Von einem Manne," schrieb er 6 , „dersich tullianischer Wohlredenheit befleißigt, wird niemand behaup-ten, daß er ein einfältiges Leben führt. In den ersten Zeiten desChristentums schaffte man die Dichter ab, jetzt aber ist man insalte Heidentum zurückgesunken. Dichter und Philosophen habensich zum Kampfe gegen die Wahrheit und Reform verschworen.Es ist eines der augenfälligsten Zeichen des Erkaltens christlichenGeistes, daß man sich immer nur mit der Beredsamkeit Ciceros,mit den klingenden Phrasen Virgils, mit Ovid und Martial abgibt,die doch gleich den neuesten Dichtern nur Speichellecker undSchmeichler waren 7 ."
Da Savonarola ob seiner Angriffe wider die humanistischen Stu-dien als Verächter der Wissenschaft und besonders der Dichtkunsthingestellt wurde, so legte er in seinen dem Humanisten HugolinVieri gewidmeten vier Büchern „Über die Einteilung,Rangordnung und Nützlichkeit der Wissen-schafte n 8 " die Bedeutung dar, die wie der weltlichen Wissen-schaft im allgemeinen, so der Dichtkunst im besonderen im Gefügeeiner vom Geiste wahren Christentums durchwalteten Gesellschafteinzuräumen sei. Hugolin hatte sich im Begleitschreiben zu seinem
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