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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DER STAATSMANN

Veranstaltung zur Anbahnung des ewigen Heils der Gläubigen unddaher in der Befassung mit Politik eine Art Seelsorge, in derPolitik angewandte staatliche Ethik sah, so hielt er sich im Hin-blicke auf die alttestamentlichen Propheten sowie auf die berühm-testen Kirchenfürsten und Prediger, die zugleich eifrige Politikergewesen waren, ebenso für berechtigt wie verpflichtet, der Bürger-schaft in ihrer größten Not und Bedrängnis mit seinen Ratschlägenbeizuspringen. Allerdings soll sich der Diener Gottes, bemerkteer nach dem Vorgange des heiligen Thomas 28 , mit weltlichen Dingennicht um weltlicher Zwecke willen befassen. Wohl aber ist er hier-zu befugt und gehalten, sobald höhere Güter, die Ehre Gottes unddas zeitliche wie ewige Heil der Bürgerschaft auf dem Spielestehen. Eine gute Verfassung und Obrigkeit ist nun aber diegrößte Wohltat, die Gott einem Volke erweisen kann; hierfür tätigsein, heißt nicht Politik, sondern Seelsorge treiben 29 ! Eine unzu-lässige Einmischung in die Politik lag in den Augen des Frate nurin der unmittelbaren Teilnahme an der Beschlußfassung über Ge-setze, an Ratsversammlungen und Parteigruppen vor 30 . Um alldiese Dinge wie um die Einzelheiten der Staatsverwaltung oder umpersönliche Angelegenheiten kümmerte er sich tatsächlich nie, zu-mal da er kaum sechzig Bürger persönlich kannte; nur schwer warer dahin zu bringen, sich für jemand zu verwenden 31 . Er verbatsich ausdrücklich, mit derlei Anliegen behelligt zu werden; nur inGewissensachen war er zu festgesetzten Stunden zu sprechen 35 .Viele beklagten sich, nicht zu ihm vordringen zu können 33 ; die-jenigen, welchen dies wirklich gelang, mußten sich mit allgemeinenund ausweichenden Antworten begnügen 34 . So konnte er mit Rechterklären, daß er sich mit Politik nicht befasse, und doch wiederzugeben, daß er es tue 35 . In jedem Falle unterschied sich seineStellung zur Politik wesentlich von der seiner Gegner. Für ihnstand die Politik im Dienste der Religion, für sie die Religion imDienste der Politik. Nachdem die Religion in den Tagen einesAlexander VI. so vollständig zur Politik entartet war, ward in denHänden eines Savonarola die Politik notwendig zur Religion.Immer war ihm aber die Politik nur Mittel zum Zwecke, niemalsSelbstzweck. Niemals betrieb er sie um ihrer selbst oder um welt-licher Erfolge, sondern stets nur um der Verwirklichung seinerreligiösen Ideale willen, und nicht als Politiker, wie man wohlmeinte 35a , sondern als Bußprediger bestieg er den Galgen. Daß