DIE ÄUSSERE POLITIK
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Sache der höchsten Behörde, nicht die seinige, er sei kein Staats-mann und nie auf den Vorteil eines Fürsten auf Unkosten einesanderen ausgegangen. Wohl habe er davon gesprochen, daß dieLilien zu den Lilien gehörten; doch habe es damit seine eigene Be-wandtnis. Worin diese bestand, das führte er zwar nicht näheraus; vielleicht stand er aber tiefer, als er es selbst ahnte, im Banneder gerade in Florenz selbst umlaufenden Prophetien zugunsteneines französischen Kaisertums. Zwar wurde es dem Propheten spä-ter nicht wenig verübelt, daß er auf einen so lasterhaften Herrscherwie Karl VIII. vertraut habe 27 . Die Zeitgenossen kannten diesesBedenken noch nicht, w T ie es denn in der Politik nie üblich war,die sittlichen Eigenschaften der Gegenspieler statt ihrer politischenMacht in die Wagschale zu legen. Ohnehin drang der Frate be-ständig auf ernste Besserung des Königs, der übrigens, so leicht-sinnig und sittenlos er sein mochte, immer noch das reinsteWaisenkind im Verhältnisse zu Alexander VI. war! Hätte sichder Frate etwa mit den ruchlosen Borjas verbinden sollen?
Nicht seine Schuld war es, wenn die florentinische Politik diegewünschten Erfolge nicht zeitigte. Man meinte freilich 27 ", er sei„für Verfassungen und Staatseinrichtungen im Grunde der ungeeig-netste Mensch, den man finden konnte", gewesen. Ganz andersurteilten jedoch seine florentinischen Mitbürger, die ihn wiederholtmit den heikelsten Sendungen betrauten, ganz anders dachten auchdie erfahrensten Berufspolitiker seiner Zeit von ihm, Philipp Com-mynes, der Herzog von Ferrara und selbst der Papst, die ihn umseine Meinung und Batschläge angingen. Niemand verstand dieschwierigsten Verhandlungen geschickter zu führen; in fast ver-zweifelter Lage erlangte er von Karl VIII. 'wertvolle Zugeständ-nisse. Im höchsten Maße vereinigte er Eigenschaften in sich, diesich sonst auszuschließen pflegen 270 , feurige Begeisterung undnüchterne Berechnung, visionäre Glut und diplomatische Kälte,weltmännische Schlangenklugheit und mystische Taubeneinfalt,mönchische Abgeschiedenheit und scharfsinnige Welt- und Men-schenkenntnis. Hätte er sich den irdischen Dingen gewidmet, erhätte die höchsten Ämter in Staat und Kirche ruhmvoll bekleidenkönnen.
Aber nicht nur die Bichtung seiner inneren und äußeren Politik,sondern auch schon die Beschäftigung mit Politik überhaupt wurdedem Frate zum Vorwurfe gemacht. Da er im Staate eine sittliche