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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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WELT- UND ORDENSGEISTLICHE ALS POLITIKER

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sich aber die Religion, wenn sie kein toter Besitz, sondern einelebendige Kraft sein soll, nicht bloß im häuslichen, sondern auchim öffentlichen und staatsbürgerlichen Leben wirksam zeigen,überhaupt alle Seiten des Menschen beseelen und leiten müsse, einmachtvoller Sauerteig, der sich nicht in einem entlegenen Herzens-winkel abkapselt, sondern die ganze Persönlichkeit durchdringtund bestimmt, ward von der Kirche niemals verkannt. In denZeiten der Gegenreformation und des 30jährigen Krieges spieltenWelt- und Ordensgeistliche, besonders auch Jesuiten und Kapu-ziner, außerordentlich wichtige politische Rollen; es sei nur an dieKardinäle Richelieu und Mazarin, an den Jesuiten Lamormain, andie Kapuziner P. Joseph,die graue Eminenz", P. Hyazinth vonCasale 36 und viele andere erinnert.Ich habe", erklärte währenddes Weltkrieges der Dominikaner P. Janvier auf der Kanzel Unse-rer lieben Frau zu Paris 37 ,das Recht, auf der Kanzel zur PolitikStellung zu nehmen in dem Maße, wie mein apostolisches Amt esverlangt. Die Politik ist doch ein erheblicher Teil der Moral; ihreHandlungen mögen sie national oder international sein sindvon denselben Grundsätzen geleitet wie das moralische Leben deseinzelnen. Und die ganze Geschichte ist ein Beweis dafür: DieKirche hat stets mehr Sorgen gezeigt für die Haltung der Staats-lenker, welche ein ganzes Volk hinter sich ziehen, als für das Tundes einzelnen, der nur für sich allein verantwortlich ist." Wennnun dem Frate seine politische Wirksamkeit gleichwohl zu einerZeit, da Geistliche in Wahlversammlungen, politischen Parteienund Parlamenten, gegenwärtig nachgerade sogar in den höchstenStaatsämtern, die rührigste Tätigkeit entfalten, noch immer zumVorwurfe gemacht wird 38 , so kann hier nur entweder unverzeih-liche Gedankenlosigkeit oder bodenlose Heuchelei im Spiele sein.

49 Schnitzer, Savonarola