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DER STAATSMANN
Liebe verherrlicht, so offenbart sich wiederum jener staatsfroheZug, der seine ganze Wirksamkeit und Predigt durchzieht.
Die überraschende Wärme, mit welcher der Frate vom segens-reichen Walten des tüchtigen Herrschers spricht, die Lobsprüche,ja die Bewunderung, die er ihm spendet, lassen keinen Zweifeldaran aufkommen, daß er grundsätzlich monarchischer Gesinnungwar, und geben deutlich zu erkennen, was von dem schon zu seinenTagen, besonders aber in neuester Zeit hervorgetretenen Bestrebenzu halten ist, ihn zum ausgesprochenen Demokraten und Repu-blikaner, zum feurigen Anwalte der Volksfreiheit und geschwore-nen Feinde aller Alleinherrschaft zu stempeln. Daran darf auchder Umstand nicht irremachen, daß er nach der Vertreibung PeterMedicis, an welcher er, wie wir sahen, keinen Anteil hatte, seinenganzen Einfluß für die Volksherrschaft einsetzte; denn das wardie für Florenz damals einzig ersprießliche, durch die Verhältnissegeradezu gebotene Verfassung. Von alters her war die Stadt anSelbstverwaltung gewöhnt; stets hatten die Bürger ihre Geschickeselbst geleitet, und wenn sie auch während der 60jährigen „Tyran-nei" der Medici ihre politischen Vorrechte wenn nicht rechtlich,so doch tatsächlich eingebüßt hatten, so rückten sie doch jetztnach der Flucht des „Tyrannen" in ihre ehemalige bevorzugteStellung von selbst wieder ein. Sie neuerdings ausschalten, hießsie um ihr gutes, von den Vätern ererbtes Recht bringen und die„Tyrannei" verewigen, die, ob nun Peter zurückkehrte, seineherrschsüchtigen Vettern Johann und Lorenz ans Ruder gelangtenoder ein Häufchen Vornehmer die Zügel an sich riß, jedenfallsStröme von Blut kostete und unermeßliches Elend über zahlreicheFamilien heraufbeschwor. Die Zeitgenossen waren denn auch,soweit sie den herrschgierigen Häusern nichst selbst angehörten,in der Anerkennung des unschätzbaren Verdienstes eins, das sichder Frate durch Wiederherstellung der überlieferten Volksherr-schaft erworben habe, zu einer Zeit, da alles den Kopf verlorenhatte, niemand ein noch aus wußte und ein blutiger Bürgerkriegunabwendbar schien. Der Frate selbst aber faßte sein Eingreifenin die Verfassungsfrage als eine Forderung der christlichen Näch-stenliebe auf, der zufolge er seinen Mitbürgern in ihrer größtenBedrängnis und Not mit Rat und Tat beispringen mußte; sie jeztin Zeiten größter Gefahr schnöde im Stiche zu lassen, erschienihm als Ausfluß jener unmännlichen Feigheit, welche Dante an