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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DER STAATSMANN

Man muß sich diese Gedankengänge vergegenwärtigen, um denrichtigen Eindruck von der unverhohlenen Freude am Staate zugewinnen, die den Frate beseelte. Mit Aristoteles und Thomas er-blickt er im Staate ein von der Natur selbst gefordertes und dahermittelbar von Gott eingesetztes Gebilde, das sein Recht und .^eineMachtbefugnis in sich trägt und mit der höchsten Aufgabe betrautist, die es auf Erden geben kann, mit der Anbahnung eines tugend-haften Lebens zur Erlangung der ewigen Seligkeit. Mit einer sol-chen Betrachtungsweise entfernt sich der Frate weit von der imMittelalter durch die kurialistische Richtung vertretenen Anschau-ung 12 , als seien die nicht von Priestern begründeten Staaten dasWerk roher Gewalt und nicht viel mehr alsgroße Räuberbanden".Dagegen hegt der Frate kein Bedenken, den Staatengründer alsgrößten Wohltäter der Menschheit zu rühmen, ohne alle Rück-sicht auf irgendwelche priesterliche Beteiligung, und höher als dieEthik die Politik zu stellen, wenn sich auch diese, wie sich für ihnvon selbst versteht, von den gottgezogenen Geleisen der christ-lichen Sittenlehre nicht entfernen darf. Gleich Thomas weist erdem guten Herrscher die oberste Stufe der himmlischen Seligkeitan, gleich Thomas stellt er seine Tätigkeit mit dem Walten Gottesim Weltall auf eine Stufe. Während nun aber Thomas in seinemWerkeDe Regimine Principum 13 " die staatliche Gewalt nach-drücklich der priesterlichen, das Königtum dem Papsttume unter-ordnet, folgt Savonarola bemerkenswerterweise seinem von ihmsonst so treu befolgten Meister gerade in diesem Stücke nicht.Weder in seiner Moralphilosophie noch in seiner AbhandlungÜber die Regierung und Verfassung der Stadt Florenz" macht ersich seine Lehre von der Abhängigkeit der weltlichen Macht vonder kirchlichen zu eigen. Von einem Mönche, der Christus zumKönige von Florenz ausruft, das ganze Staatswesen auf den WillenGottes und seine Gebote aufbaut und offen erklärt, daß man denStaat mit Vaterunsern und Gebeten regieren könne und müsse 14 ,möchte man die Aufrichtung der schroffsten Pfaffenherrschaft er-warten. Aber obschon oder vielmehr gerade w r eil er kein höheresAnliegen als das Heil der Seele kennt, setzt er sein Vertrauen nichtauf die kirchlichen Oberen, deren Entartung ihm nur zu offenzutage liegt. Die Rolle, die er dem Priestertume in seiner Staats-lehre zuweist, ist äußerst bescheiden 15 , und man kann sich desEindruckes nicht erwehren, als habe er die Sorge um den Dienst