DIE FLORENTINISCHE DEMOKRATIE
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und Liebe zum Vaterlande sind Mittel, deren sich Gott zur Erhal-tung der Länder bedient, wie am Beispiel der Römer zu ersehen ist,deren Reich Gott segnete und mehrte, da sie in ihrer Vaterlands-liebe, der Wurzel aller Liebe, wie in ihrem Eifer für die Rechts-pflege wunderbare Taten vollbrachten, ihre Untertanen als Brüderund Bundesgenossen behandelten, gütig gegen alle waren und dieheilsamsten Gesetze gaben. Darum breitete sich nach der Meinungmancher ihre Macht so weit aus, obschon mir die Ansicht richtigerscheint, der Hauptgrund der Blüte des Römerreiches sei im Rat-schlüsse Gottes zu suchen, es als Zuchtrute zur Bestrafung derVölker zu gebrauchen. Die höchste und oberste Pflicht des Königsaber ist die Sorge für den Dienst Gottes, von dem seine wie alleHerrschaft stammt. Ihm soll er für die erhabene Stellung, zu derer berufen ist, seinen Dank abstatten, ihn um Hilfe und Erleuch-tung zur Regierung anflehen, ihn zu seinem Muster und Vorbildenehmen. So erhaben nun aber die Aufgabe und Würde des Königsist, so kann es doch Staatswesen geben, für welche nicht die mon-archische, sondern die demokratische Verfassungsform paßt. Diesgilt besonders von Florenz, wie der Frate in der schon früher be-sprochenen, zu Beginn des Jahres 1498 auf Wunsch der damaligen,ihm sehr gewogenen Signorie und ihres Bannerherrn Julian Salviativerfaßten „Abhandlung von der Verfassung undVerwaltung der Stadt Floren z 11 " des Näheren darlegt.In Florenz ist die Volksherrschaft seit alters so eingewurzelt, daßselbst die Tyrannen wenigstens ihren äußeren Schein festzuhaltenfür nötig hielten; nunmehr aber ist sie im großen Rate, dem wahrenHerrscher der Stadt, verankert. Es ist die heiligste Pflicht allerBürger, die ein warmes Herz für ihre Vaterstadt haben, aus allenKräften dafür zu sorgen, daß dies ihnen von Gott selbst erwieseneGnadengeschenk der Volksherrschaft festen Bestand habe, wassicher der Fall ist, wenn sie erstens ein gottesfürchtiges Lebenführen, zweitens das Gemeinwohl lieben, drittens in Eintracht undFrieden zusammenwohnen, und viertens strenge Gerechtigkeit pfle-gen. Sind sie darauf sorgsam bedacht, dann werden sie auch desüberschwänglichen Segens teilhaftig, der aus einer guten Verfas-sung erwächst und vor allem in der Freiheit besteht, dem kostbar-sten Schatze eines Volkes, dann aber auch in der Fülle irdischenWohlstandes für den einzelnen wie für die Gesamtheit.