DER MONARCH
7 5 1
denn sonst ist es besser, sich in die Tyrannei, wenn sie einiger-maßen erträglich ist, zu fügen, als sich wider sie aufzubäumen,da sich das Volk hierdurch nur zu leicht die schwersten Übel zu-zieht, wenn der Aufstand mißlingt. Jedenfalls verdient der Tyrannhärteste Strafe, denn er schädigt und beraubt das ganze Volk, ohnejemals imstande zu sein, den angerichteten Schaden wieder gutzu-machen, und trifft überdies eine Menge ungerechter Verordnun-gen, die sich noch auf die Nachwelt vererben. Ein guter Monarchdagegen übt eine Herrschaft aus, die in jeder Hinsicht mächtigerist als die eines Tyrannen, und erlangt die höchste Stufe himm-lischer Seligkeit, denn der größeren Mühe gebührt größerer Lohn,die Arbeit für die Gesamtheit aber ist schwieriger und verdienst-licher, Gott ähnlicher und wohlgefälliger als die für einzelne.Bekleidet der König doch eine Stellung, die der Gottes im Weltallgleicht. Wie Gott diesem das Sein verleiht, jedem Teile seine Ob-liegenheit überträgt und alles nach Gebühr verteilt und leitet, sowaltet der König in seinem Reiche, legt Städte an und weist jeder-mann seinen Platz und seine Aufgabe zu. Da nun der Staat denZweck hat, die Bürger in der Erreichung ihres letzten Endzieles,der ewigen Glückseligkeit, zu fördern, so obliegt dem Monarchendie Pflicht, alles zu unterstützen, was hierzu beiträgt, und allesfernzuhalten, was dem im Wege steht. Dabei muß er selbst aufscheinbar geringfügige Dinge achten, besonders allen Aufständenvorbeugen, und da diese ihren Grund in der Unzufriedenheit derBürger über Mangel an Gewinn und Einkünften oder an Ehren-stellen und Auszeichnungen oder an dem nötigen Schutze haben,so muß er Sorge dafür tragen, daß jedermann seinen entsprechen-den Verdienst hat, und jedes Verdienst seine gebührende Anerken-nung, jede Missetat aber ihre Ahndung erfährt. Besondere Auf-merksamkeit soll der Herrscher der Jugend schenken, und vorallem schon darauf sehen, daß sie wohlgeboren zur Welt kommt.Daher sollen die Eltern nicht zu jung und nicht zu alt sein, weilsie sonst eine schwächliche und minderwertige Nachkommenschafterzeugen, vielmehr sollen sich die Männer mit 35—36, die Mädchenmit 18—20 Jahren verheiraten, und die Hochzeiten sollen im Win-ter stattfinden, denn dann sind die Poren geschlossen und lassendie Körperwärme nicht ausströmen, die Leibesfrucht wird daherkräftiger. Die Neugeborenen sollen mit der Muttermilch ernährtwerden, die ihnen am zuträglichsten ist. Junge Leute sollen sich