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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DER KIRCHENERNEUERER

den Außenwerken der Kirche breitmachten, so war er doch voneiner grundsätzlichen Verwerfung des Heiligen-, Ablaß- und Reli-quiendienstes so weit entfernt wie die Kirche selbst. So warm er dieLesung der Heiligen Schrift empfahl, so eindringlich warnte er vorihrer eigenmächtigen Auslegung; niemals ließ er einen Zweifeldaran übrig, daß er sie echt katholisch nur im Sinne der kirch-lichen Überlieferung verstanden und ausgelegt wissen wollte. Sowenig war er protestantisch, daß gerade sein Standpunkt dasfesteste Bollwerk und sicherste Schutzmittel gegen allen Protestan-tismus war; kein Jünger von ihm trat diesem bei. Es war die ver-' hängnisvollste Schicksalsstunde der römischen Kirche, als sie deni florentinischen Propheten aus ihrer Gemeinschaft verstieß; da-mals verriet sie ihr besseres Selbst. Hätte sie es über sich gebracht,auf ihn zu horchen und seiner Mahnung zu folgen, so hätte sie dieReformation vereitelt und der Weltgeschichte andere Bahnengewiesen. Indem sie aber selbst den bestgemeinten, von der lau-tersten Gesinnung eingegebenen Erneuerungsversuch mit dem Gal-gen ahndete, gab sie, die seit Jahrhunderten für alle noch so ein-dringlichen und flehentlichen Reformrufe nur taube Ohren hatte,aller Welt ihre hoffnungslose Verstocktheit und Unbußfertigkeitkund. So kam, was nicht ausbleiben konnte. Die Völker ver-zweifelten an ihr und nahmen die Reformation, von welcher sienichts hatte wissen wollen, selbst in die Hand 226 . Wenn die Refor-mation nicht in Italien selbst, sondern jenseits der Alpen einsetzte,so lag der Grund keineswegs, wie man wohl meinte 227 , darin, daßetwa die Italiener weniger religiös gerichtet oder vom Gefühle derSehnsucht nach gründlicher Heilung der kirchlichen Wundenweniger lebendig ergriffen waren. Von Mangel an religiösemSinne konnte man bei einem Volke nicht reden, das der Kircheeine religiöse Heldengestalt wie Savonarola schenkte, und das vondiesem begonnene Werk der Erneuerung mit solcher Begeisterungaufnahm und mit solcher Hingebung und Opferwilligkeit verwirk-lichte, wie es in Florenz geschah. Daß Savonarola schmählichunterging, während Luther obsiegte, daran trug nicht die Ver-sländnislosigkeit und Gleichgültigkeit der italienischen Seele dieSchuld, die im Gegenteil nach einer Hebung der schwerenSchäden desto sehnsüchtiger schmachtete, je mehr gerade sieselbst darunter litt; auch nicht der Umstand, daß Luther in seinemLandesherrn einen mächtigen Gönner und Beschützer und in

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