DER FRATE KEIN VORLÄUFER DER REFORMATION
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Abschaffung der Annaten stimmte er nicht bei, da der Papst sehrviel Geld brauche, um die weltlichen Fürsten, diese Pharaone,Nerone und Tyrannen, mit eiserner Rute zu züchtigen. Als grund-sätzlicher Gegner einer Reform trat auch noch ein anderer ent-schiedener Gegner des Frate auf, der Franziskaner Samuel Casciniin seiner Schrift: „Über die Art und Weise, einen falschen Prophe-ten von einem wahren zu unterscheiden 224 ." Viele glauben, erklärter, es sei eine neue Kirchenreform vonnöten. Und doch sprichtder Erlöser: „Laßt beides wachsen bis zur Ernte, auf daß ihr nichtmit dem Unkraute zugleich den Weizen ausreißt" (Matth. 13,291'.). Er will damit vor einem anmaßenden Aburteilen überschlechte Prälaten warnen, mit welchen wir vielmehr Mitleidhaben und in welchen wir die Erhabenheit Gottes verehren sollten,da sich seine Leitung in ihnen viel wunderbarer offenbart, alswenn er sich nur würdiger- Gefäße bediente.
Unter solchen Umständen liegt auf der Hand, was von den Ver-suchen zu halten ist, den Frate unter die Vorläufer der Reforma-tion zu reihen. Reformator im Sinne Luthers, Zwingiis oder Cal-vins war Savonarola jedenfalls nicht. Ein Mann, der sich gleichihm in allen Stücken so vollständig an die Lehre und Verfassungder römischen Kirche hielt, hat eine Verteidigung seiner katholi-schen Rechtgläubigkeit, die im kirchlichen Lager nicht bestrittenund im protestantischen kaum mehr bezweifelt wird, nicht nötig.Wohl teilte er mit den Reformatoren den scharfen Widerspruchnicht bloß gegen das kirchliche Verderben, sondern auch gegenalle selbstgefällige Werkheiligkeit, mit ihr war er einig in derfeurigen Begeisterung für die Heilige Schrift, im Kampfe gegenRom, in der geringen Wertung der Heiligenverehrung, des Ablaß-,Reliquien-,Wallfahrts- und Zeremonienwesens 225 . Aber wenn zweidasselbe tun, so ist es nicht immer dasselbe. Während die Refor-matoren die Lehre und die Einrichtungen zu reformieren unter-nahmen, wagte er sich an die Reform der Menschen und Herzen.Einem verkommenen Papste, nicht dem Papsttum galt sein Kampf.Aufs heftigste stritt er gegen die Verlotterung des Welt- und Or-densklerus, aber er war und blieb Mönch mit Leib und Seele, demdas Herz blutete, als man ihm sein Ordenskleid entriß, und demnichts heiliger als sein Gelübde war; eben um der unantastbarenHeiligkeit seines Gelübdes willen ging er in den Kirchenbann undin den Tod. So sehr er die Mißbräuche verabscheute, die sich in