SEIN SCHEITERN
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Melanchthon einen treuen Freund und Berater hatte 228 , währendder Frate allein dastand und mit dem Propheten sprechen konnte:„Torcular calcavi solus" (Is. 63, 3). Der Grund lag viel tiefer. Ge-rade das, was den höchsten Ruhm seines Reformversuches aus-machte, daß er die Menschen, die Seelen reformieren wollte, ge-reichte dem Frate zum Verderben. Dinge sind immer viel leich-ter zu reformieren als Menschen. Indem die Reformatoren mitden Gelübden aufräumten, Klöster aufhoben, kirchliche Besitz- ^. ttümer einzogen, Beichten, Fasten und ähnliche Beschwernisse ab-schafften, das verhaßte Papsttum schmähten und allen Menschen-satzungen den Krieg erklärten, lösten sie ungemessenen Jubel aus
und gewannen mächtigen Anhang. Gegen den Frate dagegen rieh-,tete sich um seiner gefürchteten Kirchen- und Klosterzucht willender unbändige Haß aller, die Grund genug hatten, den unversehr-ten Fortbestand der überlieferten Verhältnisse zu wünschen. DieErneuerung, die er anstrebte, war einer Geistlichkeit nicht mehrerschwinglich, die längst so völlig verweltlicht und entgeistlichtwar, daß sie den ihr zugemuteten Schwung nicht mehr aufzubrin-gen vermochte. Was die Kirche an Reform noch zu leisten im-stande war, das setzte sie im Konzil von Trient ins Werk. Zuder unwiderstehlichen religiösen Bewegung aber, der dieses seineBerufung verdankte, gab gerade die vom Frate angebahnteReformströmung kräftigsten Anstoß. Und so war sein Werk dochnicht umsonst gewesen.
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Schnitzer, Savonarola