74Q
DER KIRCHENERNEUERER
7/Ä
h U ^
melt werden; ist er dagegen wegen Ketzerei nicht mehr Papst, so• ist seine Zustimmung nicht mehr erforderlich. Im selben Sinnesprach sich Silvester Prierias aus 208 , ebenfalls eine Leuchte desDominikanerordens, Haustbeologe LeosX. und jüngerer Zeitgenossedes Frate. Aus all dem ergibt sich die völlige Unhaltbarkeit derimmer wieder aufgestellten Behauptung, Savonarola sei ein An-hänger „der konziliaren Richtung" gewesen 209 , „für die er durchdie Reform, die er einführte, Grund und Boden zu finden hoffte",er habe die Superiorität des Konzils über den Papst verfochten 210 ,ganz von selbst 211 . Schon im 16. Jahrhundert siegreich zurückge-wiesen 212 , verdankt diese Beschuldigung weniger neuen Gründenals alten Vorurteilen ihr zähes Leben.
Man hat gemeint 213 , der Fehler des Frate habe darin bestanden,daß er stets wähnte, das Heil der Kirche ruhe auf seinen zweiAugen; er hätte der Entwicklung der Dinge ruhig zu-sehen und die Erneuerung der Christenheit ihr selbst undihren Oberen überlassen sollen. Gerade dies konnte er aberam allerwenigsten, da er sich auf Grund seiner ihm mit un-erschütterlicher Gewißheit feststehenden prophetischen Berufungfür verpflichtet hielt, alle Kräfte und selbst sein Leben in denDienst der einen großen Aufgabe zu stellen, die ihn seit seinerJugend beschäftigte. Wie der barmherzige Samariter nahm er sichliebevoll des unter die Räuber Gefallenen und Schwerverwundetenan, den die Leviten und Priester gleichgültig seinem Geschicke über-ließen. Daß die Lauen, der Heilige Stuhl an ihrer Spitze, von einerernsten Reform nichts wissen wollten, lag auf der Hand. Kastenwie die Hierarchie und wie der alte französische Adel sind schlecht-hin unverbesserlich, selbst bei klarer Einsicht des Abgrundes invielen Dingen, bemerkt ein scharfer Beobachter 214 . So klagte zwarauch der Kamaldulensergeneral Peter Delphin 215 , die Kirche seinunmehr zu einem Hause des Schachers geworden; statt die ver-rotteten Gewohnheiten des Römischen Stuhles zu verdammen,stemple man sie zu Gesetzen, nach dem Grundsatze: „Wäre esnicht erlaubt, so würde es nicht allgemein geschehen." Er selbstaber rührte zur Heilung der kirchlichen Schäden keinen Fingerund sprach von den schuldbeladenen Inhabern des Sitzes Petri nieanders als im speichelleckerischen Tone feiler Höflinge; selbstAlexander VI. war ihm ein „Christus des Herrn 216 ". „Was Leute vomSchlage des Frate", so hieß es in einer Streitschrift gegen diesen 217 ,