SELBSTABSETZUNG DES PAPSTES
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Rücksichten geleitet sein, so waren sie doch der Ausfluß der öffent-lichen Meinung; auch in Kreisen, die dem Herzoge Ludwig demMohren von Mailand nahestanden, sprach man 1499 von einemKonzil und von der Absetzung des Papstes 206 ' 1 . Gleichwohl dachteder Frate keineswegs an ein förmliches Gericht in dem Sinne, alsob etwa der Borja als Angeklagter dem Urteilsspruche eines ihmübergeordneten Konzils unterworfen und von ihm zur Strafe fürseine Frevel seiner Würde entkleidet worden wäre. In den Augendes Frate war der Papst vielmehr längst abgesetzt; er hatte sichselbst abgesetzt bzw. zur Bekleidung eines Kirchenamts und gardes Papsttums unfähig gemacht, indem er in Simonie, Irr- undUnglauben gefallen war. Alexander VI. war nun aber seit seinerWahl von der Gesamtkirche und auch vom Frate selbst, der ver-schiedene Gnaden von ihm erbeten und angenommen hatte, alsrechtmäßiger Papst tatsächlich anerkannt worden und mußte alssolcher solange angesehen und behandelt werden, als die Tatsacheseiner simonistischen Erhebung und Ungläubigkeit nicht durchein allgemeines Konzil im Angesichte der Gesamtkirche festgestelltworden war; dies war bisher noch nicht geschehen, und somithatte er Anspruch auf alle päpstlichen Ehren und Rechte. Ebenum die wider den Borja umlaufenden Anklagen feierlich erhärtenzu lassen, plante der Frate die Berufung eines Konzils, durchwegim Einklänge mit den berühmtesten Lehrern seines Ordens. MitPeter de Palude erklärte Antonin 207 , der Papst könne zwar nichtum irgendwelcher, sei es noch so schwerer Verbrechen, abgesetztwerden, wohl aber wegen Ketzerei. Sobald er als ein vom wahrenGlauben Abtrünniger erfunden werde, sei er des geistigen Todesgestorben und so w T enig mehr Papst, wie ein Toter noch Mensch,denn „wer nicht glaubt, ist schon gerichtet" (Joh. 3, 18). Hat eraber sonstige schwere Sünden begangen, so ist das Haupt derKirche zwar krank, bleibt aber Haupt und kann von seinen Glie-dern nicht gerichtet werden. Wie nun aber, fragt Antonin, wenner die Kirche durch seine Schlechtigkeit zerstört? Dann gibt esnur mehr zwei Mittel, erwidert er. Einmal muß man ihn freimütigzur Rede stellen; zu diesem Behufe könnte man ein Konzil be-rufen, auf daß ihm dieses ins Gewissen rede. Das andere Mittelist das gemeinsame Gebet der Kirche, Gott möge ihn bessern oderaus ihrer Mitte hinwegnehmen. Solange nun 'der Papst Papst ist,kann ein Konzil allerdings nicht ohne seine Einwilligung versam-