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DER KIRCHENERNEUERER
Florenz als einen Marranen und glaubenslosen Menschen, derseine Wahl nur durch Simonie bewirkt habe, bezeichnen, ohne imgeringsten behelligt zu werden 106 . Ebenso ließen die Piagnonenim Frühjahre 1498 durch Mönche des Frate in verschiedenenKirchen verkünden, Alexander sei nicht rechtmäßiger Papst, janicht einmal Christ, sondern Marrane 197 . Man klagte ihn an, erlasse sich unerträgliche Frevel zuschulden kommen; um seinenKindern zur Herrschaft zu verhelfen, schrecke er vor keinerSchandtat zurück 198 . Die ganze Christenheit nahm an seinemschamlosen Leben Anstoß, die Leichtfertigkeit, mit welcher erDispensen, besonders in Ehesachen, gewährte, erregte großesÄrgernis 199 . Man sagte ihm geradezu nach, er sei der schlechtestePapst, der je auf dem Stuhle Petri gesessen sei; er habe den Glau-ben fast ausgelöscht 200 . Der Frate selbst hatte von seiner Über-zeugung, Alexander sei nicht getauft, kein Christ und nicht wahrerPapst, seiner Versicherung gemäß, im mündlichen Verkehre oderauf der Kanzel niemals Gebrauch gemacht 201 ; er wollte diese Dingeerst auf dem Konzil zur Sprache bringen. Er glaubte aber seinerSache so sicher zu sein, daß er Borjas schamlose Simonie, die sichebenfalls als schneidige Waffe gegen ihn schwingen ließ, nur inzweiter Linie und mehr nebenbei heranzog, sei es, daß er die altenkirchenrechtlichen Bestimmungen über die Nichtigkeit einer simo-nistischen Papstwahl 202 nicht mehr als verbindlich ansah, sei es,daß er die Wahl als durch nachträgliche Zustimmung der Kirchegeheilt betrachtete. Immerhin fehlte es damals nicht an gewichti-gen Persönlichkeiten, welche diese Wahl um ihrer offenkundigensimonistischen Makel willen für ungültig hielten. So anerkannteKarl VIII. den Kardinal Piccolomini nicht als Legaten, da er nichtvon einem rechtmäßigen Papste gesandt sei 203 , und auch die Kar-dinäle in der Umgebung des Königs verweigerten dem Spanier mitder Begründung den Gehorsam 204 , er sei nicht rechtmäßig gewählt,ja sie waren, wie wir uns erinnern, entschlossen, ein Konzil gegenihn zu versammeln, um ihn abzusetzen. Spanische und portugiesi-sche Gesandte schreckten den Papst im Januar 1499 neuerdingsmit Konzil und Absetzung 205 ; schon hieß es in Rom, Spanien undDeutschland wollten ihm den Gehorsam künden. ChristophColumbus befahl seinem Sohne Diego, sich seines Reichtums zumSchutze des Papstes zu bedienen, falls dieser von einem Schismabedroht würde 206 . Mochten die Schritte der Mächte von politischen