GERINGE BEDEUTUNG DES KONZILS
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liches Verhalten. Unter gewöhnlichen Verhältnissen und untereinem anderen Papste, als es der Borja war, wäre der Frate nie-mals in Gegensatz zum Heiligen Stuhle geraten.
D. Das Konzil.
Sowenig wie in Sachen des Gehorsams trat der Frate denkirchlichen Verfassungsgrundlagen mit seiner Stellung zum Kon-zile zu nahe. Es ist eines der ergreifendsten Zeugnisse seiner echtkirchlichen Gesinnung, daß er stets vom guten Willen der Oberenausging und lange selbst an der Bekehrung eines Alexander VI.nicht verzweifelte 181 . Erst gegen Ende seines Lebens, als er ein-sah, daß von ihm nie etwas anderes als heftigster Widerstandgegen die kirchliche Erneuerung zu erwarten sei, entschloß ersich, in äußerster Not zum äußersten Mittel zu greifen, zum Kon-zile. Er bereitete seine Zuhörer darauf vor, daß er eines Tagesgezwungen sein könne, mit mächtiger Stimme, wie einst Jesus, zurufen: „Lazarus, komm heraus!" (Joh. 10, 43), ein Schrei, der inder ganzen Christenheit vernehmlich sein werde; er sprach auchöfter von einem Schlüsselchen, das er nun bald hervorziehenwerde 182 . Gleichwohl lag ihm der Gedanke einer Schmälerungder päpstlichen Gewalt, einer Überordnung des Konzils über denHeiligen Stuhl auch jetzt durchaus ferne 183 . Er sprach vom Kon-zil überhaupt auffällig wenig. Seiner Anschauung nach solltees nicht so fast die Ursache als vielmehr die Wirkung der großenErneuerung sein, die er anstrebte. „Weißt du", rief er den Gläu-bigen zu 184 , „was ein Konzil ist? Man hat es heutzutage schonganz vergessen. Ein Konzil feiern heißt soviel wie die Kircheversammeln, d. h. alle guten Äbte und Prälaten sowie die tüchtigenund frommen Laien der Kirche. Bemerke jedoch, daß man unterKirche im eigentlichen Sinne des Wortes nur jene versteht, die imBesitze des Heiligen Geistes ist, denn er ist die Form der Kirche,und wo die Form der Kirche nicht ist, da ist diese selbst nicht,wie ein blindes Auge kein Auge, ein taubes Ohr kein Ohr ist. Aufdem Konzil müssen die Reformatoren zusammentreten, man mußhier die schlechten Geistlichen bestrafen und die simonistischenBischöfe absetzen. Darum müssen die Konzilsväter vor allemselbst ohne Makel sein. Solange sie aber in die Mißbräuche und