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DER KIRCHENERNEUERER
Fehler, die sie abstellen sollen, selbst noch verstrickt sind, hat eskeinen Zweck, ein Konzil zu versammeln.'' Allein selbst wenndiese Hauptvoraussetzung einer gedeihlichen Wirksamkeit desKonzils vorhanden gewesen wäre, so hätte sich dieses doch nichtzum Gerichte über den Papst aufwerfen können. Eine solche Stel-lung einer allgemeinen Kirchenversammlung konnte für einenJünger des heiligen Thomas nicht in Betracht kommen, der aus-drücklich lehrte, daß man zwar vom Konzil an den Papst, nicht; aber vom Papste an das Konzil Berufung einlegen, überhauptnicht mit Strafen gegen ihn einschreiten könne, und daß, fallsdie ihm erteilte Zurechtweisung nichts fruchte, nur das Flehenzu Gott übrigbleibe, ihn zu bessern oder*ihn aus dem Leben ab-zuberufen 185 . Dem Papste, nicht dem Konzil maß auch derFrate die letzte Entscheidung in allen kirchlichen Fragen bei, undnur eine Stelle kannte er, zu der man im schlimmsten Falle gänz-lichen Versagens der päpstlichen Gewalt seine Zuflucht nehmenkonnte und mußte, dies war Christus, der himmlische Papst 189 .Die Aufgabe, die er dem Konzil zugedacht hatte, umschrieb derFrate in den Entwürfen der Schreiben, mit welchen er die Herr-scher des Abendlandes zu seiner Einberufung auffordern wollte,unmißverständlich. Gott habe, heißt es in dem Entwürfe an denKaiser, die Kirche nun schon seit einiger Zeit ohne Hirten ge-lassen, denn Alexander VI. sei nicht Papst und könne als solchernicht anerkannt w T erden. Ganz abgesehen vom Laster der Simonie,mit dem er den päpstlichen Stuhl erkauft habe und die kirch-lichen Pfründen tagtäglich an den Meistbietenden verschachere,sowie von seinen anderen offenkundigen Lastern, so sei er keinChrist und glaube nicht an einen Gott, was den Gipfel alles Un-glaubens übersteige. Der ganzen Welt wolle er zur geeignetenZeit und am gelegenen Orte seine sonstigen geheimen Laster auf-decken, wie ihm der Herr nunmehr geboten habe. Im NamenGottes, von dem der Kaiser sein Reich empfangen habe, beschwöreer ihn sowie die übrigen Verteidiger der Christenheit, unverweiltund einträchtig dafür zu sorgen, daß an einem geeigneten undfreien Orte ein Konzil stattfinde, auf daß so großem Schaden derSeelen kräftig gesteuert werde. Auch die Könige von Frankreich,Spanien, England und Ungarn habe er auf Gottes Geheiß hiervonunterrichtet, auf daß auch sie die nötigen Maßregeln zum Gemein-wohle träfen. Er selbst mache sich anheischig, diese Beschuldi-