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DER KIRCHENERNEUERER
nicht aus dem Glauben stamme, sei Sünde, und was wider dasGewissen geschehe, erbaue zur Hölle 180 . Demnach kann man demFrate den Vorwurf, die kirchliche Verfassung grundsätzlich odertatsächlich verletzt zu haben, nicht mit Recht machen. Weit ent-fernt, sich in Wort oder Tat gegen sie vergangen oder die Fahneder Empörung wider seine Oberen aufgepflanzt zu haben, erwarber sich im Gegenteil das größte Verdienst, indem er mit helden-haftem Starkmute, Mann von der Fußsohle bis zum Scheitel, fürdas unantastbare Recht der christlichen Freiheit und Gewissen-haftigkeit focht und unbeugsamen Widerstand den Forderungeneines ihm zugemuteten mechanischen Gehorsams entgegensetzte,der die Zerstörung jeder sittlichen Persönlichkeit, des höchstenmenschlichen und christlichen Schatzes, bedeutet, und den stolze-sten christlichen Adel, das rationabile obsequium Dei, geschändethätte. Wie schon die Väter, wie die Scholastik, an ihrer Spitzeder Doctor angelicus, wie bis zur Gegenwart kirchliche wie nicht-kirchliche Ethiker einhellig erklärten, bildet das Recht und diePflicht, der eigenen Überzeugung getreu zu handeln und in undmit ihr Gott mehr zu gehorchen als den Menschen, das einzigeund unerläßliche Gegengewicht gegen die Übergriffe einer durchLeidenschaft verblendeten Autorität und gegen den Mißbrauchder kirchlichen Gewalt, ist daher im eigenen, wohlverstandenenSinne der letzteren selbst gelegen. Hätte der Obere nur zu ge-bieten und der Untergebene nur zu gehorchen, dann könnte ja,wie der Frate mit Recht bemerkte, „ein schlechter Papst die ganzeKirche verwüsten". Auf den Frate kann sich niemand berufen,der sich lästigen kirchlichen Pflichten zugunsten seines Vorteils zuentziehen trachtet; und wer etwa einwenden wollte, nach seinemVorbilde wäre es ein leichtes, unter Berufung auf persönliche Ge-wissensbedenken seinen rechtmäßigen Oberen zu trotzen, der hättedie Antwort zu gewärtigen: Hast denn etwa auch du es wieSavonarola mit Alexander VI. zu tun? Lebe wie Savonarola undleide wie Savonarola, und dann trotze und streite wie Savonarola!Wenn er sich in die ihm außerordentlich unangenehme Lage tat-sächlicher Widersetzlichkeit gegen Rom gedrängt sah, so geschahes unter dem ehernen Drucke außerordentlicher Verhältnisse, wiesie glücklicherweise nur in den allerseltensten Fällen zusammen-treffen; außerordentliche Umstände bedingen ein außerordent-