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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DER KIRCHENERNEUERER

der Kirche gegeben? Nur die guten Gesetze rühren von Christusher. So oft ein Gesetz der Absicht Christi und dem Seelenheilezuwiderläuft, hört es auf, ein Gesetz Christi zu sein. Meinst dudenn, es sei Christi Absicht, daß sich lasterhafte und gottlose Men-schen unter Berufung auf seine Gesetze jede Schandtat erlauben?Wäre das Christi Absicht, so hörte Christus auf, Christus zusein 123 . Wie die Kirche selbst und in ihrem Dienst der Papst, somuß jedes kirchliche und päpstliche Gesetz und Gebot dem gött-lichen Willen entsprechen, der im Grunde nichts als die lautersteLiebe ist. Die Liebe ist des Gesetzes Erfüllung, sie geht überalles. Wenn in einem Gesetze oder Gebote keine Liebe ist, so istes tot und ist kein Gesetz. Eben darin offenbart sich die Ent-artung der gegenwärtigen Kirche, daß es jetzt wieder wie einstim Alten Bunde, da alles in Gesetze und Zeremonien entartet war,so viele Gesetze und Rubriken gibt und so wenig Liebe. AlsChristus den Neuen Bund eröffnete, da machte er dem Alten mitseinen schweren Lasten ein Ende, ersetzte die fleischlichen Ver-heißungen durch geistige und führte alle Gesetze auf das eineGebot der Liebe zurück. Im Laufe der Zeit, als die Liebe erkaltetwar, sank der Neue Bund in den Alten zurück, eine Menge Gesetze,schlimmer noch als die jüdischen, schoß ins Kraut. Soll sich nundie verrechtliche und verjudete Kirche erneuern, so muß sie zumNeuen Bunde zurückkehren, der Geist urchristlicher Semplicitämuß wieder einziehen und die Liebe das Gesetz aller Gesetze sein.Auf keinen Fall dürfen die Kirchengesetze der Wahrheit oder derLiebe widerstreiten, überdies muß man sie auch recht verstehen.Es ist eine Schande, wie man heutzutage vielfach mit ihnen um-springt und wie man sich nach Bedürfnis Glossen zurechtstutzt;so kann man alles beweisen 124 . Da die kirchlichen Dinge religiöserNatur sind und auf das Seelenheil'abzielen, so sollten auch dieKirchengesetze vom religiösen Geiste getragen sein und in denHänden der Diener der Religion, der (wahren) Theologen, liegen,nicht aber der Kanonisten 125 , die sich lediglich mit den äußerenKirchenverhältnissen zu befassen haben. Das höchste religiöseGebot ist aber die Liebe, die mit dem Willen Gottes zusammen-fällt; ein Gesetz, das dem Willen Christi zuwider ist, kann keineGültigkeit haben 126 . Die Verordnungen des römischen Stuhlesbilden da keine Ausnahme. Die Schlüssel, mit welchen er bindet undlöst, haben nach dem Ausspruche des Herrn (vgl. Matth. 16,16 f.)