DIE PÄPSTLICHE GEWALT UND IHRE GRENZEN
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den von einem anderen aufgehoben! Er kann auf doppelte Weiseirren: einmal auf Grund falscher Berichte, sodann aus Bosheit,wenn er wider Amt und Gewissen handelt. Gleichwohl darf mannicht davon ausgehen, daß er aus Bosheit irre; man muß an-nehmen, seine Absicht sei gut und er sei nur durch falsche An-gaben hintergangen worden 119 . Man behauptet auch wohl: der'Papst kann alles. Doch das ist nicht wahr; er kann nur, was derGerechtigkeit und Vernunft sowie seinem Amte entspricht. Willstdu ihn zum Gotte machen, so gehst du zu weit. Wendet man ein:er ist Gott auf Erden und Christi Stellvertreter, so ist das ja wahr.Aber Gott und Christus gebieten, den Nächsten zu lieben; wennnun der Papst das Gegenteil befiehlt und du ihm auch dann dasRecht auf Gehorsam zuschreibst, so stellst du ihn über Gott. DerEinwand: der Papst als Papst kann nicht Unrecht tun, gilt nicht.Meinst du denn, der Papst sei kein Mensch? Wenn er Übles tut,so handelt er als Mensch, der sich auf Grund falscher Voraus-setzungen täuschen kann 120 . Nicht als ob er als sündhafter Menschverbindliche Befehle nicht erlassen könnte; nur die sündhaftenBefehle des Oberen, nicht schon die Befehle eines sündhaftenOberen sind der Verbindlichkeit bar 121 . Aber allerdings liegt beieinem sündhaften Oberen auch die Gefahr sündhafter Befehle nurallzu nahe; sobald er sich zu solchen verleiten läßt, wirkt er nichtmehr in seiner Eigenschaft als Beauftragter Gottes und verwirktseine kirchliche Gewalt über die Gläubigen. An und für sich sinddie Menschen und Gläubigen unter sich alle gleich. Nur sofernund solang jemand Werkzeug in Gottes Hand ist, ist er kirchlicherOberer. Auch der Papst ist nur ein Werkzeug in Gottes Hand,wie die Säge in der Hand des Zimmermanns. Versagt das Werk-zeug den Dienst, ist die Säge unbrauchbar geworden, so wird siezum alten Eisen, ferro rotto; wirkt der kirchliche Obere, wirktder Papst nicht mehr als Gottes Werkzeug, so ist auch er altesEisen, ferro rotto 122 . Die Kirche und die Kirchengewalt ist nichtum des Papstes, sondern der Papst ist um der Kirche, sie aber umdes Seelenheiles, kurzum der Liebe willen bestellt. Wenn dieKirchengewalt die Kirche zugrunde richtet, dann ist sie keineKirchen-, sondern eine Höllen- und Satansgewalt, der man insAngesicht widerstehen muß, wie einst Paulus dem Petrus. DieKirchengewalt ist kein Freibrief zur Hurerei, zur Unzucht undzu jeglicher Schlechtigkeit. Aber hat nicht Christus die Gesetze