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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DER KIRCHENERNEUERER

diesem zu widersetzen erkühnte. Mit Stolz berief er sich dar-auf 108 , daß man in seinen Schriften und Predigten trotz strengsterrömischer Prüfung nichts Anstößiges habe entdecken können.Zwar brandmarkte ihn Alexander VI. wiederholt als einenKetzer 109 , hütete sich aber wohl, die irrigen Lehren, deren er sichschuldig gemacht haben sollte, näher anzugeben. Neue Angriffe,die neue Feinde nach seinem Tode gegen ihn und seine Recht-gläubigkeit richteten 110 , waren von keinem besseren Erfolge be-gleitet.

Und so wenig w T ie die Lehre, wollte er die Verfassung der Kircheangetastet wissen. Unumwunden bekannte er die gottgewollteScheidung der gläubigen Herde in Laien und Kleriker, sowie diein stufenmäßiger Reihenfolge anwachsende Beteiligung der letzte-ren an der Spendung der heiligen Sakramente und an der Leitungder Kirche 111 . Niemals dachte er an eine Schmälerung der bevor-zugten Stellung der Hierarchie und des römischen Stuhles. Mitdem heiligen Thomas 112 schrieb er dem Papste die ganze Fülle derkirchlichen Gewalt über die Gesamtkirche wie über alle Kirchendes Erdkreises zu 113 . Noch wenige Monate vor seinem Tode er-klärte er imTriumphe des Kreuzes 114 " die römische Kirche alsdie Lehrerin und als das Haupt aller Kirchen und die Vereinigungmit ihr und dem Papste als die unumgängliche Voraussetzungdes ewigen Heiles. Wenn er gelegentlich von einer VerwerfungRoms und von einer Zurückverlegung der Kirche nach Jerusalemsprach 113 , so wollte er dies, wie er selbst erklärte, nur im bild-lichen Sinne verstanden wissen. In seinen Augen war der Papstin der Kirche, was das Gold unter den Metallen, der Diamantunter den Edelsteinen, der Mensch unter den Lebewesen ist; erist ihre Seele, ihrjflerz, ihre Grundlage, ihr Führer, ihr Fürst 118 .' Freilich, die Päpste sind Menschen und können irren, haben auchschon geirrt, denn es gab schlechte Päpste, wie Bonifaz VIII. einerwar. Wenn man sagt: der Papst als Papst kann nicht irren, soist das gerade so, wie wenn man sagt: der Christ als Christ kannnicht sündigen, der Ordensmann als Ordensmann seine Regelnicht übertreten. Der Papst als Papst kann nicht irren, weil erals solcher in Ausübung seines Amtes handelt; irrt er gleichwohl,so irrt er als Mensch und nicht als Papst 117 . In Wahrheit kannallerdings auch der Papst in seinen Entscheidungen irren 118 . Wieviele Anordnungen, die von einem Papste gegeben wurden, wur-

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