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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DER KIRCHENSTAAT UND DER KIRCHLICHE VERFALL 7 i5

Grund zum Verfalle der Kirche legen? Wie vermochte sich einMann wie Gregor hiermit abzufinden? Und roch die strenge Ver-dammung alles Kirchenbesitzes nicht sehr bedenklich nach derehedem von den Spiritualen aufgestellten, von Johann XXII ver-'worfenen Lehre, Christus und die Apostel hätten weder als Einzel-personen noch als Gesamtheit je irgend etwas besessen 73 . Trotzallem hielt der Frate an seiner Anschauung fest, mit dem Kirchen-staate und den Reichtümern habe der Verfall der Kirche be-gonnen. Damit wolle aber, versicherte er zugleich, keineswegsbehauptet werden, die Kirche dürfe zeitliche Güter überhauptnicht besitzen, denn das wäre eine Ketzerei, der er durchaus nichtbeipflichte. Es sei auch nicht anzunehmen, daß Silvester jeneGüter behalten oder Gregor sie bestätigt hätte, wenn sie sich hier-durch versündigt hätten. Dabei bleibe aber immer noch die heikleFrage offen, ob es für die Kirche nicht doch besser gewesen wäre,wenn sie diese Reichtümer, die ihr so schlecht bekamen, nichterhalten hätte. Der Frate glaubte den Streit mit der Erklärungschlichten zu können, an sich wäre es für die Kirche allerdingsbesser gewesen, keine irdischen Güter zu besitzen, denn dannhätte in ihrem Schöße mehr Eintracht und Liebe geherrscht. MitRücksicht auf ihre Verteidigung gegen die überhandnehmendenKetzer jedoch habe die Kirche weltlichen Staat und Besitz nötiggehabt und von Gott auch erhalten. Gleichwohl ward sie ur-sprünglich auf die Armut, weil auf die Liebe, gegründet, dennReichtum trennt, Armut aber einigt; sie ist daher für die Kirchejedenfalls das Bessere, während mit zu vielem irdischen Besitzeimmer auch der Tod seinen Einzug hält. Übrigens war es Sil-vesters Wille und Absicht, daß man arm lebe und alles Entbehr-liche den Armen spende. Endlich muß man von Zeit zu Zeit,wenn sich zu viel irdisches Gut in der Kirche angehäuft hat, eineEntleerung vornehmen 74 . Jedenfalls gibt es für Geistliche keinegefährlichere Versuchung als fette Pfründen. Mit den üppigenkirchlichen Einkünften stellten sich mit der Zeit alle Laster ein,die Habsucht war der Untergang aller Seelsorge 75 . Der Hirte mußseinen Schäflein mit einem Leben voll Armut und Einfalt voran-leuchten, ohne sich durch Geschenke oder weltliche Rücksichtenvon der Verdammung des Lasters abbringen zu lassen 76 . Im Be-wußtsein der ganz ungeheuren Verantwortlichkeit des Seelsorge-amtes entschließt sich der gewissenhafte Priester nur schwer zur

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