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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DER KIRCHENERNEUERER

Übernahme einer Pfründe; wer sich um eine solche des bloßenGewinnes oder der Ehre halber bewirbt, der sündigt schwer.Nur aus Liebe zu den Seelen darf man sich Kirchenämtern nahen,und nur dann, wenn man auch gehörig für sie vorbereitet ist.Die Kenntnis der Zeremonien genügt nicht, die lernen sich leicht.Die Hauptsache ist die Erfahrung im inneren Leben und derbeständige göttliche Beistand. Es ist ein großer Fehler, daß dieEltern ihren Söhnen ohne Rücksicht auf ihre Eignung und Wür-digkeit Pfründen übertragen lassen. Wie können Laien auf ein-mal tüchtige Priester sein? Wie kann ich ein guter Geselle undMeister sein, wenn ich nicht zuvor Lehrling war? Auch derPriester muß eine Lehrzeit durchgemacht haben. Es genügt nicht,im weltlichen oder kirchlichen Rechte oder in der Philosophiebeschlagen zu sein. Vielmehr muß der Priester eine Wissenschafthaben, die von übernatürlichem Lichte durchdrungen ist, unddas ist die Heilige Schrift. Sie ist die Grundlage des Priestertums.Um sie zu verstehen, bedarf der Priester desselben übernatür-lichen Lichtes, aus dem sie geflossen ist. Auslegungen genügennicht; ein frommes Leben und das übernatürliche Licht, das sinddie richtigen Erklärungen. Und dann muß der Seelsorger uner-schrocken die Wahrheit verkünden und für Gottes Ehre streiten,ohne sich vor Nachstellungen und selbst vor dem Tode zu fürch-ten. Man mag mich ermorden, aber man vermag mich nicht vonder Liebe Christi zu scheiden 77 .

Soll der Priester rein wie Kristall und der Bischof heilig, somuß der Papst unter allen der heiligste sein 78 . Wie die Fratizel-len 79 , wie Dante 80 und viele Zeitgenossen einen heiligen Papstohne jede weltliche Herrschaft erwarteten, der sich nur um dasLeben der Seelen und um geistliche Dinge kümmern werde, sosetzte auch Savonarola seine Hoffnung auf einen heiligen Papstder Zukunft, der ein Mann fleckenloser Reinheit und Keuschheitsein werde, eben weil er seinen Sinn ganz wie ein Engel nur aufdas Himmlische richte 81 . Daher werde er denn auch die Gläubi-gen in Liebe zusammenhalten, so daß sie wie einst in den Tagender Urkirche nur mehr ein Herz bilden und eine Seele. Deroberste Hirte und Hohepriester, der bei der Erneuerung der Kircheerwählt wird, steht in ununterbrochenem Gebete vor Gott, ebensowie auch die Bischöfe, Kardinäle und sonstigen Würdenträger,die nach der großen Trübsal noch übrig sein werden; und dann