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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DER KIRCHENERNEUERER

und der regste Verkehr zwischen Tiber und Arno waltete, so warman selbstverständlich auch in der Dantestadt über die Vorgängeam päpstlichen Hofe sehr wohl unterrichtet; wer also vom römi-schen Lotterleben sprach, der erzählte den Florentinern nichtsNeues 33 . Die Summe alles kirchlichen Elends faßte, der floren-tinische Mönch Benedikt Bettuccio in den Worten zusammen 34 :ImJahre 1490 herrschte zwar allenthalben tiefer Friede, aber alleswar voller Laster, besonders war Sodomie, Wucher, Tyrannei undSimonie im Schwange. Alles folgte eben dem Beispiele des PapstesAlexander VI., des Ausbundes von Habsucht und Wollust." FranzGuicciardini aber kam zu dem Urteile 35 :Niemand mißfälltmehr als mir der Ehrgeiz, die Habsucht und Wollust der Priester,denn sind diese Laster an sich schon hassenswert, so ziemen siesich bei gottgeweihten Personen am allerwenigsten. Der hoheRang jedoch, den ich unter mehreren Päpsten bekleidete, zwangmich aus Rücksicht auf mich selbst, an ihrer Größe zu arbeiten;wäre das nicht gewesen, so hätte ich Martin Luther wie michselbst geliebt, nicht um mich von den Gesetzen freizumachen,welche die christliche Religion, so wie man sie gewöhnlich ver-steht und auslegt, einführte, sondern um diese Schurkenbande zuzwingen, entweder ihre Laster oder aber ihre Herrschaft aufzu-geben."

Zustände solcher Art zerrissen einem Manne wie Savonaroladas Herz. Hatten sie einst schon dem jungen Studenten im Vater-hause die ergreifendsten Klagetöne entlockt, so erpreßten sie demgereiften Ordensmanne jetzt, da das Verderben seinen Gipfel er-klommen hatte, erschütternde Weherufe. Wohl hatte ihm damalsdie Kirche selbst, als sie ihm in Gestalt einer abgehärmten,schmucklosen Jungfrau erschienen war, in hoffnungsloser Ver-zweiflung zu stumpfer Ergebung geraten.Menschliche Zungevermag und darf da nichts; du weine und schweige!" Aber seinGeist war nicht zum Weinen und Schweigen geschaffen, mit demder Christenheit nichts gedient war. Nicht die Hände träge in denSchoß legen und w T eibisch jammern, sondern helfen wollte er undheilen, und je größer das Elend war, das er ringsum gewahrte,um so mehr drängte es ihn, all seine Kräfte und wenn nötig seinLeben einzusetzen, um eine Besserung anzubahnen. Der unstill-bare Schmerz über die Schmach der Kirche durchzitterte all seinePredigten und kam namentlich auch in einem neuen, den späteren

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