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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DAS SCHREIBEN AN SAVELLI

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fons von Aragonien 28 wurde gewissermaßen zweimal ermordet,Pierotto im Schöße des Papstes hingeschlachtet 29 ; zahllos ist dieZahl derer, die in den Tiber geworfen oder durch Gift hinwegge-räumt wurden. Die Schamlosigkeiten, deren Schauplatz der Vati-kan ist, all die Fälle von Ehebruch, Blutschande, Verführungschreien zum Himmel, haufenweise machen sich die Dirnen und fKuppler in S. Peter breit. Am Vorabende von Allerheiligen wurdenfünfzig römische Dirnen zu einem Gelage in den Vatikan einge- W?>wladen, die das schmutzigste und abscheulichste Schauspiel dar-boten. Wenige Tage nachher wurde eine Stute herbeigetrieben undin Gegenwart des Papstes und seiner Kinder ein Hengst auf sielosgelassen. Aus allen Ländern der Ghristenheit scharrt man dasGeld zusammen, um den unerhörten Aufwand für die Papstkinderzu bestreiten; der Türkenkrieg, für den man überall in den Kir-chen Ablässe anpreist, ward nur zu dem Zwecke der Aufbringungder Aussteuer Lucrezias angesagt. Der größte Teil des römischenAdels ward von Haus und Hof vertrieben, weite Strecken Italiensliegen verwüstet; der edle Papst aber, lediglich auf Befriedigungseiner Lüste und auf den Erw r erb kostbaren Schmuckes für seineTochter bedacht, der er verbrecherisch zugetan ist 30 , rührt keinenFinger, um diese Frevel zu ahnden, und ebenso schweigen dieKardinäle, soweit sie ihm nicht geradezu schmeicheln, aus Furchtvor dem brudermörderischen Papstsohne, der vom Kardinalzum Meuchelmörder herabsank 31 , der Urheber all der Mordtatenund Plünderungen, die heutzutage an der Tagesordnung sind.Unterzogen sich etwa die heiligsten Männer dazu dem Martertodund den härtesten Mühen, daß Roderich Borja, der Abschaum derMenschheit, alles göttliche und menschliche Recht zerstöre?Möchten doch endlich die Fürsten der untergehenden Religion zuHilfe eilen und das von wilden Stürmen umhergeschleuderteSchifflein Petri in den sicheren Hafen geleiten! Möchten sie end-lich den gemeinschädlichen Schandbuben hinwegräumen, der zumFluche der Menschheit geboren ist, und ein warnendes Beispielaufstellen, auf daß ehrliche Leute künftig wieder in Frieden lebenkönnen! Diese entsetzliche Anklageschrift ward auch demPapste vorgelesen, der es jedoch nicht für angezeigt hielt, nachdem Verfasser zu fahnden; er wußte, warum. Im Gegenteil ließer Savelli, den Empfänger des Schreibens, später zur Audienz zu 32 .Da Rom von florentinischen Wechslern und Kaufleuten wimmelte