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DER KIRCHENERNEUERER
hübscher Dirnen huldigte der Borja auch noch als Papst mit be-sonderer Vorliebe 24 ; berüchtigt ist das Gastmahl der fünfzig Dir-nen, das am Vorabende des Allerheiligenfestes, Sonntag, 31. Okto-ber 1501, vor ihm, seinem Sohne Cesare und seiner Tochter Lucre-zia stattfand und vom päpstlichen Zeremonienmeister JohannesBurchard aus Straßburg mit der ihm eigenen trockenen Geschäfts-mäßigkeit geschildert wird 25 . Die Mädchen mußten ihre Tänzeerst in ihren Kleidern, dann ohne diese vollenden, und sodann aufallen Vieren zwischen den Lichtern auf dem Boden hindurch krie-chen, um die zwischen die Leuchter gestreuten Kastanien aufzu-lesen; sodann sich vor den Augen der Anwesenden den Bedienste-ten hingeben, denen für die besten Leistungen im Liebeswettstreiteeigene Preise winkten, seidene Mäntel, Schuhe, Mützen usw. We-nige Tage später wurden im Hofe des vatikanischen Palastes vierHengste auf zwei Stuten losgelassen, ein Schauspiel, das sich derPapst nicht entgehen ließ, der mit Lucrezia vom Fenster auslachend zusah 26 .
Das schamlose Treiben des Papstes erregte auch bei Laien hef-tigen Anstoß. Am 15. November 1501 erging ein Schreiben an Sil-vio Savelli 27 , einen der von den Borjas vertriebenen römischenBarone, worin Alexander VI. als Verräter der Menschheit gebrand-markt wurde, der sein ganzes Leben mit Ausschweifungen undRäubereien verbracht habe und sich zu einer gerechten Handlungnie anders als unter dem Drucke harter Gewalt verstehen werde.Es bleibt nichts übrig, heißt es hier weiter, als den Kaiser und dieFürsten des römischen Reichs in die Schandtaten einzuweihen,die dieses Ungeheuer zum Verderben der Christenheit auf sich ge-laden — Frevel so scheußlicher Art, daß selbst die beredtesteZunge sie nicht zu schildern vermöchte. Vergeblich beklagt mansich über Mohammed, daß er der christlichen Religion so viele Völ-ker entfremdet habe, denn dieser neue Mohammed ist noch vielärger und ganz dazu angetan, den letzten Rest von Glauben zu zer-stören. Schon sind die Zeiten des von den Propheten angekündig-ten Antichrists angebrochen, denn ein so giftiger Feind Gottes unddes Christentums läßt sich nicht mehr erdenken. Soweit ist es be-reits gekommen, daß kirchliche Ämter und Würden an den Meist-bietenden versteigert werden. Alles ist dem Papste feil, Ehren-stellen, Heiraten und Ehescheidungen, es gibt kein Verbrechen,das am römischen Hofe nicht ungescheut begangen würde. AI-