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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DAS SCHAMLOSE TREIBEN BORJAS

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sprossen; das hinderte ihn keineswegs, selbst als Papst noch wei-tere Liebschaften zu unterhalten 18 , die ihn ebenfalls mit Nachkom-menschaft beschenkten. Seit seiner Erhebung auf den römischenStuhl war die Erhöhung seiner Kinder die Leidenschaft Borjas.In der Wahl seiner Mittel durchaus nicht ängstlich, mißbrauchteer seine erhabene Stellung rücksichtslos zur Förderung der Machtseines Hauses. Genußmensch von ungezügelter Sinnlichkeit, frönteer bis an sein Lebensende seinen Gelüsten, der verkörperte blu-tigste Hohn auf die Gebote desjenigen, als dessen irdischer Stell-vertreter er auftrat 19 . Kaum hatte er vom Sitze des ApostelfürstenBesitz ergriffen, als er an die Verheiratung seiner Tochter Lucreziaging, hiermit die schon von seinem Vorgänger Innozenz VIII. einge-führte Gewohnheit der Versorgung weiblicher Nachkommenschaftfortsetzend.Daher obliegt denn auch", bemerkt der römische Be-richterstatter 20 hämisch,der gesamte Klerus mit angestrengtemEifer der Kindererzeugung, und jeder, vom Obersten bis zum Ge-ringsten, hält sich eine Kebse, als wäre sie seine Ehefrau, und zwarganz öffentlich. Sorgt Gott nicht vor, so greift das Verderben nochauf die Mönche und Ordensleute über, zumal da die Klöster derewigen Stadt fast alle schon Freudenhäuser geworden sind, ohnedaß ein Hahn danach krähte." In Gesellschaft einiger Kardinäle,seiner Tochter Lucrezia, der schönen Julia Farnese, seiner Ge-liebten, und anderer junger Frauen, wohnte er noch spät amAbende einer Mahlzeit an, bei welcher jeder Teilnehmer eine Damezur Seite hatte. Während dieses Gelages, das bis tief in die Nachthinein dauerte, wurden Lust- und Trauerspiele unzüchtigen Inhaltesaufgeführt; sie aber sahen zu und lachten 21 . Und nicht etwa nurbei Tisch bewegten sich die höchsten Prälaten in zweifelhaftesterUmgebung; selbst in der Kirche standen die Kardinäle mitten unterDirnen und anderen verrufenen Leuten 22 . Schon 1460 hatte sichKardinal Boderich Borja die ernste Büge Pius IL zugezogen, weiler sich zu Siena bei einem Tanzfeste in einer Weise benommenhatte, die sogar in jener an vieles gewöhnten und nachsichtigenZeit Ärgernis verursachte; er möge, schrieb ihm der Papst 23 , selbstermessen, ob es sich für ihn und seine Würde schicke, jungenMädchen zu schmeicheln, der Geliebten den von ihm zuvor geko-steten Wein zu senden, den ganzen Tag auf jede Art Wollust zusinnen und, um jeder Bücksicht enthoben zu sein, die Gatten derjungen Frauen fernzuhalten. Seiner Vorliebe für die üppigen Tänze