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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DER KIRCHENERNEUERER

der hierherkommt, so führt ihr ihn in den Nonnenklöstern herum,die nicht Klöster, sondern Freudenhäuser und öffentliche Bordellesind 12 ." Wie traurig es in Florenz selbst aussah, lehrte noch dasProvinzialkonzil 13 1517/18, das dem Klerus den Umgang mitKupplern und Dirnen, den Besuch von Nonnenklöstern, das Zu-sammenleben mit Konkifbinen und Lustknaben, die Ausübung derKuppelei und Gaukelei, des Handels und Wuchers, den gottes-dienstlichen Gebrauch hölzerner, zerbrochener, schmutziger Ge-fäße, zerbrochener Altarsteine und unreiner Korporalien, die Über-lassung von Häusern an Juden zu Wucher- und Kupplergeschäf-ten, das Ausleihen kirchlicher Gewänder und Gegenstände zu Mas-keraden und Possen untersagen und namentlich gegen unnatür-liche Fleischesvergehen wie Sodomie und Prostitution von Kin-dern einschreiten mußte.

Gewiß würde man allzuweit gehen, wollte man alles grau ingrau malen und der leuchtenden Beispiele frommen Wandels undmusterhafter Berufstreue nicht gedenken, die sich in allen Reihender Welt- und Ordensgeistlichkeit fanden. Das Traurige war, daßsie die Ausnahme bildeten und den reißenden Strom des allge-meinen Verderbens nicht mehr einzudämmen vermochten 14 . Aufkeinen Fall war an eine Heilung der furchtbaren Schäden zu den-ken, solange kein Wandel an der Stelle eintrat, die allein wirk-same Abhilfe schaffen konnte, am römischen Hofe; gerade er warja eben in den Jahren, die uns beschäftigen, hoffnungslos ver-seucht. Schon unter Innozenz VIII., der bekanntlich selbst Kinderauf den päpstlichen Stuhl mitbrachte, gab es in Rom dem Zeug-nisse eines gleichzeitigen römischen Berichterstatters gemäß nichtleicht einen Geistlichen oder päpstlichen Beamten, der sich nichteine Kebse hielt oder wenigstens eine Dirne 15 , deren Zahl sich aufGrund einer 1490 vorgenommenen Zählung auf 6800 belief, dieKebsen nicht miteingerechnet noch jene, die geheim mit 56 an-deren Dirnen ihr Handwerk ausübten 16 . Und doch war dieses Dir-nenunwesen noch das kleinere Übel; in bedrohlicher Weise griffdas alte griechische Nationallaster um sich 17 , das schon im Mittel-alter auch im Klerus zahlreiche Opfer gefordert hatte. Ein furcht-barer Schlag war für alle Gutgesinnten die durch schamlose Simo-nie bewirkte Wahl Roderich Borjas. Schon seit Ende der sechzigerJahre des 15. Jahrhunderts pflog er mit der verheirateten RömerinVanozza de Cataneis vertrauten Verkehr, dem vier Kinder ent-