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DER PREDIGER
seinen Zeitgenossen ob seiner Kunstfertigkeit gerühmt. „Es ge-hörte", hieß es von ihm 223 , „eine übermenschliche Fertigkeit dazu,alles, was dieser Frate je auf der Kanzel sprach, nachzuschreibensowie Briefe und andere während vieler Jahre gesprochenenDinge. Es kann kein größeres Wunder auf Erden geben, undman braucht kein anderes Wunder in diesem Werke als dieNachschrift selbst der geringsten Bewegung und jedes Wortes,ganz so, wie er es sprach, so daß auch nicht ein Jota fehlt, was(rein menschlich gesprochen) etwas ganz Unmögliches ist, son-dern es geschah durch göttliche Zulassung zu einem guten Ende,und das ist das Urteil aller wohlgesinnten Leute." Doch warVioli nicht der einzige, der die Worte des Frate mit dem Stiftefesthielt. Namentlich fertigten auch die Gegner Nachschriften an,die, vielfach gefälscht und verstümmelt, die Runde durch Italienmachten und nicht wenig dazu beitrugen, die Gemüter gegen denPrediger aufzubringen 224 .
Man möchte meinen, das Bewußtsein seiner großartigen Erfolgehätte den Prediger berauscht und mit dem Gefühle stolzer Be-friedigung und Siegesgewißheit, wenn nicht der Selbstüberhebungerfüllt. In Wirklichkeit war seine Seele voll tiefer Bangigkeit undVorahnung künftiger Leiden. Er verglich sich mit 225 einem jungenSchiffer, der sich allzuweit aufs weite Meer locken ließ und denRückweg in den heimischen Hafen nicht mehr fand. Er gab selbstzu 226 , daß er die ganze Tragweite seiner Predigt anfangs nochnicht erkannt habe. Er ging auf den Fischfang aus in der Hoff-nung, einige Seelen zu gewinnen, des rasenden Sturmes nicht ge-wärtig, den er entfesseln sollte. Wie einst Jeremias (20, 7; 15, 10)rang er mit Gott: „Du hast mich betört, o Herr, und ich ließmich von dir betören; du warst stärker als ich und bezwangestmich . . . Wehe mir, Mutter! Warum gebarst du mich, denMann des Haders und der Zwietracht auf der ganzen Welt? Vonallen Seiten sehe ich Krieg und Streit über mich hereinbrechen."Mit Job (19, 21) rief er aus: „Erbarmet, o erbarmet euch meiner,wenigstens ihr, meine Freunde!", um derentwillen ich mich Tagund Nacht abmühe. .Erquickt mich mit Blumen', wie das Hohe-lied (2, 5) sagt, ,reichet mir Blüten und Früchte, denn ich ver-gehe vor Liebe!' Diese Blüten und Früchte, die ich begehre, dassind eure guten Werke, denn nur das eine Verlangen beseeltmich, die Rettung eurer Seele. Da ich nun den Herrn beschwor,