PREDIGT UND SCHAUSTELLUNG
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so geschickt zu handhaben, daß es aussah, als trage es seinen Kopf,und als spreche er als Erlöser 111 . Wenn so die Predigt nicht seltenetwas Theatralisches an sich trug, so lag der Grund freilich auchdarin, daß sie nicht selten auch selbst Bestandteil einer theatrali-schen Schaustellung war. Predigt und Schaustellung waren zu-weilen so enge miteinander verwoben, daß sie ein unzertrennlichesisUic Ganzes bildeten; dies war bei der Vorführung lebender Bilder der
».Ei Fall. Die Predigt diente da einerseits zur Einführung, andererseits
*;.; zur Erklärung und Fruchtbarmachung der dargestellten Geheim-
haft nid nisse. Der Prediger war gewissermaßen der Chorführer des hei-
»ll(|. ligen Schauspiels; auf einen Wink von ihm sprachen und handel-
et ten die Schauspieler, wie sie auf einen Wink von ihm auch wieder
s?iiB verschwanden bzw. verstummten 112 . Um der Menge zu gefallen,
iß; unterließen es die Kanzelredner auch nicht, ihre zuweilen allzu
«$■ trockenen und eintönigen Erörterungen durch Einflechtung pas-
nicli sender Stellen aus den alten klassischen Dichtern zu beleben und
kh zu würzen. Der Minoritenobservant Bernhardin von Foligno führte
««tun in jeder Predigt Ovid, Virgil, Martial, Dante, Petrarca, Cecco
atftl. d'Ascoli und Jakopone von Todi an und streute häufig wirksame
aWi, Aussprüche aus ihnen ein 113 . Ähnlich verfuhr der Minorit Bern-
au!«! hardin von Busti 114 , der sich namentlich gerne auf Dante berief.
taute Der Servit Paul Attavanti bediente sich zum Schmucke seiner
Rede, wie er selbst sagte 115 , auch der Dichter, die er den alt- undneutestamentlichen Propheten an die Seite reihte und mit einemständigen breiten Räume in seinen Predigten auszeichnete. Ganzbesonderes Gewicht legte er auf die „Zier aller Dichter, unserengöttlichen Seher Dante, den Philosophen und Theologen zugleich,der allseits Nektar und Ambrosia in unbeschreiblicher Süßigkeitspendet". Der Minorit Bernhardin von Fossa verfaßte eine ganzePredigt zum Lobe der seligsten Jungfrau nach dem 33. Gesängedes Paradieses 116 . Mit einem Worte — von seifen eifriger Predigerward nichts unterlassen, um die Herzen zu fesseln und anzu-ziehen. Hätte Menschenwitz und die Kunst der Rede genügt, umdie verdorbene Welt zu bekehren, so hätte der Erfolg nicht aus-bleiben können.
So stand es um die italienische Predigt, als Savonarola die Kan-zel bestieg; nur im Lichte der Kanzelberedsamkeit seiner Zeit läßtsich ein billiges Urteil über seine Predigtwirksamkeit fällen. Erselbst hegte vom Berufe des Predigers die höchste Meinung und