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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DER PREDIGER

liebter Redner erstand den Dominikanern in Gabriel Barletta, des-sen Predigten die abschätzige Beurteilung keineswegs verdienen,die ihnen vielfach zuteil wurde 105 . Im Gegenteil weisen sie ge-radezuMeistervorzüge" auf und sind ohne Zweifel den frucht-barsten und lesenswürdigsten Erzeugnissen der Kanzelberedsam-keit jener Zeit, deren Mängel und Schwächen sie freilich ebenfallsredlich teilen, beizuzählen 106 , so daß es wohl verständlich ist, wennder Spruch entstand: Nescit praedicare, qui nescit barlettare. Einetiefere Wirkung auf die Volksmassen vermochten aber auch sienicht auszuüben. Sie waren allzu einförmig und formelhaft undermangelten des warmen persönlichen Lebens wie der unmittel-baren Fühlung mit der Zuhörerschaft allzusehr, als daß sie diesezu packen und umzustimmen vermocht hätten. Immerhin nahmBarletta seine Aufgabe nicht leicht. Was man ihm und seinen Be-rufsgenossen auch vorwerfen mag das eine wird man wenig-stens den ernsteren unter ihnen einräumen müssen, daß sie sichredliche Mühe gaben, das Wort Gottes in der Weise zu verkünden,in der sie hoffen durften, den Anforderungen der Gläubigen zuentsprechen und so auch den Weg in ihre Herzen zu finden. Viel-fach gingen sie in ihrem Eifer sogar zu weit. Um dem Eindrucke,den sie mit ihrem Vortrage machten, durch den Wohllaut einerklangvollen Singstimme nachzuhelfen, liebten sie es, mitten unterder Predigt Psalmverse oder Stellen aus kirchlichen Hymnen zusingen 107 . Der heilige Bernhardin von Siena machte das eine Maleinen Lombarden, ein andermal einen Scheinheiligen, dann wie-der den Zorn Gottes nach 108 . Jakob von der Mark führte seinenZuhörern ein Skelett, Johann von Capistran einen Totenschädelvor. Robert Caracciolo ahmte das Meckern eines Zickleins nach,das zum Schlachten getragen wird, ein andermal erschien er involler kriegerischer Rüstung, dann wieder blieb er eine Viertel-stunde lang mit ausgespannten Armen wie in Verzückung ohneein Wort zu sprechen auf der Kanzel stehen 109 . Bernhardin vonFeltre warf einst in seinem Unwillen seine schmutzigen Sandalenunter die Gläubigen, ein anderer Prediger wies ein weiblichesTotengerippe vor 110 . Marian von Gennazano besaß die Gabe bzw.die Fertigkeit, Tränen zu vergießen, wann und in welchem Maßeer es wollte; wenn ihm die Zähren von den Wangen rannen, finger sie auf und schleuderte sie von der Kanzel auf die Zuhörerherab. Als er einst am Karfreitage predigte, wußte er ein Kreuz