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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DER PREDIGER

tigkeit und Erhabenheit des Predigtamtes selbst den verantwor-tungsvollen kirchlichen Stellen noch abging. Sogar in der päpst-lichen Kapelle traten Laien, Juristen und Mediziner als Predigerauf; selbst ein Schüler, ein gewisser Casale aus Rom, wurde zuge-lassen, was allerdings dem Meister des heiligen Palastes einenstrengen Verweis des Papstes eintrug 62 . Doch durfte 1499 ein zehn-jähriger Dominikanernovize vor dem Papste, den Kardinälen undKurialen eine Predigt über das Leiden Christi halten und auchsonst zu wiederholtenmalen und an verschiedenen heiligen Stättender ewigen Stadt das Wort führen, und seine Ordensgenossen (Pre-digerbrüder!) hatten die ehrwürdigsten Überlieferungen ihres Stif-ters so sehr vergessen, daß sie sich auf solche Leistungen einesfrühreifen Wunderkindes, die das Predigtamt in den Augen ernsterChristen nur herabsetzen konnten, nicht wenig einbildeten 63 .

Einen erfreulichen Aufschwung nahm die Predigt mit demheiligen Bernhardin von Siena. Von seinen Verehrern als derFürst der Prediger seiner Zeit gepriesen 64 , lenkte er mit der herz-bezwingenden Liebenswürdigkeit seines Wesens, mit der Volks-tümlichkeit und Innigkeit seines Tones, mit der Unbestechlichkeitseines sittlichen Ernstes, mit dem Feuer seiner verzehrenden Jesus-liebe, mit der vorbildlichen Selbstlosigkeit seines Wirkens, mit dermakellosen Lauterkeit seines Wandels und mit seinem flammen-den Seeleneifer in die segensreichen Bahnen zurück, in welcheneinst der heilige Dominikus, der heilige Franz und ihre Jünger dieGemüter erobert hatten 65 . Überall, wohin er kam, war der Zu-drang zu seinen Predigten ungeheuer und der Erfolg unerhört. Eshieß, er habe alle italienischen Städte, die großen wie die kleinen,zum größten Teile zu Christus zurückgeführt, die Sünder bekehrtund den Wucher abgeschafft. Das war eine handgreifliche Über-treibung; daß er dauerhafte Wirkungen nicht zu erzielen ver-mochte, darüber läßt er selbst in seinen Predigten keinen Zweifel 66 .Nach ihm bildete sich jedoch eine Predigerschule, die sich nichtauf Angehörige seines Ordens beschränkte; alle, die sich in dennächsten Jahrzehnten in Italien Ruhm auf der Kanzel erwarben,wandelten in seinen Fußtapfen, so besonders seine unmittelbarenSchüler Johann von Capistran und Albert von Sarzano, ebensoJakob von der Mark, Michael von Mailand, Bernhardin von Fel-tre u. a. 67 Gleichwohl kann man von einer wirklichen Reformder Predigt durch Bernhardin nicht reden. Sein Sinn ging nach