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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DANTE ÜBER DEN VERFALL DER PREDIGT

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mönche in die scholastische Wissenschaft war von übler Wirkungauf ihre homiletische Tätigkeit, denn obschon die Verpflanzungder Scholastik auf die Kanzel das Gute hatte, größere dogmatischeSicherheit und straffere Gedankenzucht in die Verkündigung desgöttlichen Wortes zu bringen, so führte sie in diese doch auch denGeist kleinlicher Textspalterei ein 36 und raubte ihr jenen zartenSchmelz persönlicher Unmittelbarkeit und Ursprünglichkeit, derihr in den ersten Zeiten der vollen Liebe ihren unwiderstehlichenZauber verliehen hatte. Noch viel schlimmer war es jedoch, daßsie nur zu bald häufig niedrigen Leidenschaften zum Opfer fielund oft genug statt zur Erbauung zum Ärgernisse der Gläubigengereichte. Schon Dante machte den Predigern seiner Zeit Vernach-lässigung und Verdrehung der Heiligen Schrift, eitles Prunken mitweltlicher Wissenschaft, schnöde Possenreißerei und Ablaßkräme-rei zum Vorwurfe 37 :

Doch wenn die heil'gen Schriften man verschmäht,Dies hat den Himmel stets noch mehr verdrossen,Wenn man hintan sie setzt und sie verdreht!

Nicht denkt man, wie viel teures Blut geflossen,Sie auszusä'n; nicht, wie Gott dem geneigt,Der demutsvoll an sie sich angeschlossen.

Zu glänzen strebt ein jeder jetzt und zeigtSich in Erfindungen, die der verkehrtePfaff predigt, der vom Evangelium schweigt.

Der sagt, daß rückwärts Lunas Lauf sich kehrteBei Christi Leiden, und sich zwischenschob,Und drum der Sonn' herabzuscheinen wehrte

Der, daß von selbst das Licht erlosch und drobDen Spanier, den Juden und den InderZu gleicher Zeit die Finsternis umwob.

Lapi und Bindi hat Florenz weit minderAls Fabeln, die man von der Kanzel schreitDas Jahr hindurch, des Aberwitzes Kinder.

So daß die Schäflein, blind zu ihrem Leid,Wind schlucken, wo sie sich zu w T eiden meinen,Und nicht entschuldigt sie Unwissenheit.

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