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DER PREDIGER
quit, bene docet" gemäß Übersicht, Klarheit und Ordnung in denGedankengang und Vortrag zu bringen, durch ihr Übermaß abergerade das Gegenteil bewirkten und die Hörer mehr verwirrtenals erbauten, freilich auch hierin lediglich den Anforderungen derMenge folgend, die an verwickelten Einteilungen ihre Freude hatte.So unterdrückten die Laien und Kleriker, welche die PredigtenJordans nachschrieben, wohl alles Erzählende und Legendarischegeflissentlich, ließen sich aber nicht eine der vielen Abteilungenund Unterabteilungen entgehen, in welche der Prediger seine Ge-danken zu spalten pflegte 29 . Schon Albert der Große und Thomasvon Aquin hatten in ihren Predigten das Vorbild reicher Gliede-rung gegeben 30 ; auf Teilungen und Unterscheidungen sind die Pre-diger besonders versessen, sagt der heilige Bonaventura 31 . Denfreigebigsten Gebrauch machten, wie die scholastischen Theologen,so die scholastischen Prediger von der allegorischen Schriftaus-legung. Predigten und die Heilige Schrift allegorisch erklären,war für Jordan von Pisa ein und dasselbe 32 . Die Predigten strotz-ten daher von allegorischen Deutungen, über deren Gewaltsamkeitund Willkürlichkeit sich schließlich sogar die Laien lustig mach-ten 33 . Um die Aufmerksamkeit der oft auf eine harte Geduldprobegestellten Zuhörer in Spannung zu erhalten, liebten es die Prediger,malerische Vergleiche und Bilder, Schwanke aus dem täglichenLeben oder auch Erzählungen aus dem Leben der Heiligen bzw.aus der Geschichte der alten Zeit einzuflechten; ein Erzähler vonGottes Gnaden war der heilige Bernhardin von Siena 34 . Im13. Jahrhundert setzte sich eine kunstgerechte Predigt aus sechsTeilen zusammen, nämlich 1. aus dem biblichen Vorspruche, demThema; 2. der Einleitung oder dem Prothema, worin sich der Pre-diger über seine mangelhafte Befähigung oder Vorbereitung aus-sprach, einer Art captatio benevolentiae; 3. dem eigentlichen Kerneder Predigt; 4. der Auslegung des Vorspruches; 5. einem sorgsamausgeführten Beispiele oder einer Erzählung; 6. aus dem Schlüssemit einem Gebete oder einer Aufforderung hierzu 35 . Doch hieltensich die italienischen Prediger nie streng an diese Ordnung, diehauptsächlich bei den Franzosen im Schwange war.
Die Blüte der Bettelorden bezeichnete auch die Blüte der vonihren Söhnen gepflegten Predigt; mit dem unaufhaltsam fortschrei-tenden Verfalle der Ordenszucht hielt der Verfall der Predigtgleichen Schritt. Schon die zunehmende Versenkung der Bettel-