DIE WANDERPREDIGER
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nachsichtlicher Strenge schritten sie gegen die mörderischen Feind-schaften ein, die in zahlreichen Städten und Landschaften furcht-bare Blutopfer forderten; besonders der selige Johann von Vicenza,der heilige Bernhardin von Siena und der selige Bernhardin vonFeltre übten als wahre Apostel des Friedens eine ungemein segens-reiche Tätigkeit 17 . Auch gegen den schmutzigen Wucher, gegendas verderbliche Spiel und greuliche Fluchen, gegen die üppigeFrauentracht, die Verletzung der Sonntagsheiligung, die Nachläs-sigkeit im Empfang der heiligen Sakramente, den allzu freien Um-gang der beiden Geschlechter und besonders gegen die Sodomierichteten sich ihre Bemühungen, denen nicht selten schöne, wennauch freilich nur flüchtige Erfolge beschieden waren 18 . Die Bettel-mönche traten meist als Wanderprediger auf, die bald hier, balddort eine längere oder kürzere Reihe von Vorträgen hielten, derentheatralischer Abschluß häufig eine Verbrennung von Eitelkeiten 19oder auch eine feierliche Prozession unter Beteiligung der gesamtenBevölkerung einschließlich der geistlichen und weltlichen Obrig-keiten bildete. Die Städte rissen sich geradezu um die Ehre, ge-feierte Kanzelredner für die Fasten- oder Adventzeit zu gewinnen,und bestürmten den Papst und die Ordensleiter um ihre Vermitt-lung. Die Prediger unterließen es nicht, Nachwuchs für ihreOrden zu werben; es fehlte auch nicht an Leuten, die ihrem Rufefolgten, selbst Räuber und Dirnen meldeten sich zum Eintritteins Kloster, ohne eine Zurückweisung befürchten zu müssen 20 .Die Schärfe, mit welcher die apostolischen Männer den eingeris-senen Übelständen zuleibe rückten, zog ihnen oftmals den Haßund die Verfolgung der Großen zu. Nicht selten wurden sie, wiees dem heiligen Bernhardin von Siena geschah, beim HeiligenStuhle ketzerischer Reden bezichtigt oder von den Machthabernaus der Stadt vertrieben und mit dem Tode bedroht, wie es demMinoriten Michael von Carcano in Mailand 21 und dem seligenBernhardin von Feltre zu Florenz erging, der sich nach seinerPredigt gegen die Juden zum Schutze wider lebensgefährlicheNachstellungen mit einer bewaffneten Leibwache umgebenmußte 22 . Je härter.die Verfolgungen waren, von welchen beliebteKanzelredner betroffen wurden, desto höher stiegen sie in denAugen der Gläubigen, und erst recht wuchs ihr Ansehen, wenn sieihre Selbstlosigkeit und Uneigennützigkeit durch Ablehnung kirch-licher Ämter und Würden und durch Pflege eines armen, ent-