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DER PROPHET
das bewirkte er nunmehr durch ihn. Wie der alte Arnos wider denHohenpriester auftrat, so muß der neue Arnos gegen Rom prophe-zeien, obschon es das Haus Gottes und das Haupt der Welt ist.Wie der alte Arnos dem Könige, so muß der neue Arnos denschlechten Hirten wehren. Sowenig der alte Arnos dem göttlichenRufe zu widerstehen vermochte, sowenig vermag es der neue. So-wenig man zur Zeit des alten Arnos Prophetien wollte, sowenigwill man sie zur Zeit des neuen, sondern man spricht, Arnos habesich längst erfüllt und mit der Gegenwart nichts mehr zu tun. Wieder alte Arnos versicherte: „Ich bin kein Prophet" (Am. 7, 14), unddoch einer war, so beteuert das gleiche der neue 120 . Wie der Herrden alten Aggäus sandte, um den Tempel von Jerusalem aufzubauen, so schickt er jetzt einen neuen Aggäus, auf daß sich dieKirche und vor allem Florenz erneuere 121 . Jonas predigte den Ni-niviten, ohne Wunder zu wirken, und fand doch Glauben. DerFrate kann zwar nicht mit dem Erlöser sprechen: „Siehe, hier istmehr als Jonas" (Matth. 12, 41), wohl aber spricht er: „Hier isteiner wie Jonas". Darum w r erden einst die Niniviten gegen die Rür-ger aufstehen, die Wunder sehen wollen, wie die Auferweckungeines Toten, und dennoch nicht glauben würden, selbst wenn sieein solches erlebten 122 . Wie Jeremias vom Hohenpriester Phassurverfolgt ward, weil er wider Jerusalem predigte, sich aber wei-gerte, ihn um Verzeihung zu bitten (Jer. 20, 1 ff.), so predigt derFrate als neuer Jeremias gegen einen neuen Phassur, ohnesich je zu einem Widerrufe zu verstehen. Gott, der sich der Pro-pheten als seiner Werkzeuge bedient, wirft sie weg, sobald er ihrernicht mehr bedarf; wie er einst Jeremias steinigen ließ, so wird erauch mit dem Frate verfahren, dessen Krone im Himmel dann nurum so herrlicher sein wird 123 . Da es für den Frate über jeden Zwei-fel erhaben war, daß Gott w T ie einst durch den Mund der Prophe-ten, so nun durch ihn spreche, so verstand es sich für ihn ganzvon selbst, daß sein Wort als Gottes Wort jedem Irrtume ent-rückt blieb, und so erklärte er unbedenklich 124 : „Wenn ich lüge,so lügt Gott"; „wenn Gott irrt, so irre auch ich"; „meine Predigtist so wahr w r ie das Evangelium, und ich bin für sie zu sterbenbereit." Offen bekannte er, daß seine Erleuchtung für ihn selbstdasselbe Gewicht und dieselbe Verbindlichkeit besitze wie die deralten Propheten, wenn er auch zugab, daß sie dieses Ansehen nichtauch für die Gläubigen haben könne, da sie der kirchlichen Aner-