DER NEUE MOSES
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auf den großartigen Erfolg seiner Tätigkeit. „Willst du mir nichtglauben", rief er dem Gegner zu 108 , „so blick' auf mein Werk! Wofindest du jemand, der solches aufzuweisen vermag? Leistet einanderer mehr, so glaube ihm!" „Auch zu Rom werden ja dochdie Sakramente gespendet und Predigten gehalten, und doch istvon einer kirchlichen Erneuerung daselbst keine Spur, und auchhier in Florenz lehrt die Erfahrung, daß mit dem Aufhören derPredigt immer auch das christliche Leben abnahm 110 ." „Kämemeine Verkündigung nicht von Gott, so müßte ich entweder einTor oder ein Schurke sein; ich bin aber, wie der Erfolg meinerPredigt lehrt, weder das eine noch das andere; also muß meineSache auf übernatürlichem Grunde beruhen 111 ."
Des göttlichen Ursprunges seiner Prophetie unerschütterlichsicher, nahm der Frate prophetische Würde zwar nicht ausdrück-lich in Anspruch, lehnte sie jedoch auch nicht ab 112 . Wie Gott zuanderen gesprochen habe, erklärte er 113 , so spreche er nunmehr zuihm, aber auf seine eigene Weise, die er als sein persönliches Ge-heimnis bezeichnete und nicht näher erörterte. Wie der Herr inMoses einen Propheten erweckte, den größten unter allen, die jeerstanden 114 , um sein Volk aus der ägyptischen Gefangenschaft zubefreien, so schickte er auch den Florentinern einen Geistesmann,um sie aus dem Ägypten der Finsternis zu erlösen 115 . Wie Gotteinst zu Moses sprach: „Ich habe das Seufzen der Söhne Israelsvernommen, ich will sie herausführen aus dem Zuchthause, inwelchem sie der Pharao gefangen hält" (2. Mos. 6, 5 f.), so be-schloß er auch jetzt, den Auserwählten das gelobte Land zu ver-leihen und sie aus der Knechtschaft der schlechten Prälaten, Prie-ster und Mönche zu entlassen 116 . In der Rolle eines neuen Moses,des Gesetzgebers und Führers seines Volkes und seines Mittlersund Fürsprechers bei Gott, fühlte sich auch der Frate verpflichtet,den Zorn des Herrn in mystischen Gesandtschaften an ihn zu be-sänftigen 117 . Wie Moses zuweilen an seiner Aufgabe zu verzweifelnschien und vorwurfsvoll ausrief: „0 Herr, warum handeltest duso übel an deinem Volke, warum sandtest du mich?" (2 Mos. 5, 22),so hatte auch der Frate Augenblicke, in welchen er zu erliegenmeinte und verzagt betete: „0 Herr, ich bin verloren, ich taugenicht zu deinem Werke, nimm meine Seele hinweg 118 !" Und wie inMoses, so erblickte er in Isaias, Jeremias, Ezechiel seine Vorbil-der 119 . Was Gott einst durch Arnos, Aggäus, Jonas vollbringen ließ,